Die deutsche Rugby-Nationalmannschaft in den WM-Playoffs

Seit meinem letzten Bericht über unsere Vorbereitung auf das Länderspiel gegen Tschechien in Heidelberg ist eine Menge passiert. Mittlerweile ist die deutsche Rugby-Nationalmannschaft in den WM-Playoffs angelangt und steht kommendes Wochenende vor der nächsten schweren Aufgabe. Doch zunächst der Reihe nach.
Was braucht man eigentlich fürs Rugby?
Viele Leute haben mich nach meinen letzten Blogartikeln gefragt, was man denn eigentlich alles zum Rugby spielen braucht. Die gute Nachricht: nichts Besonderes! Natürlich gibt es von den großen Herstellern wie Nike, Adidas, Puma und Asics auch spezielle Rugbyprodukte. Zum Einstieg bzw. für den Trainingsalltag reichen „normale“ Sportklamotten aber vollkommen aus. Ich persönliche spiele am liebsten mit den Copa Mundial von adidas, also stinknormalen Fußballschuhen. Neben einem T-Shirt, das am besten aus einem einigermaßen strapazierfähigen Material besteht, reicht dann zum Training auch eine einfache Shorts. Außerdem trage ich gerne Funktionsunterwäsche, wie z.B. Kompressionsshorts. Ihr seht also, außer ganz normalen Fußballschuhen und Fitness-Kleidung benötigt ihr zunächst einmal nichts Spezielles für den Rugby-Start!
Deutlicher Heimsieg gegen Tschechien
Anfang April hatten wir dann also unser erstes Länderspiel des Jahres gegen Tschechien. Jedes Spiel war von jetzt an ein K.o.-Spiel, da wir unbedingt mit Bonuspunkt gewinnen mussten, um weiterhin im Rennen um die WM-Tickets zu bleiben. Das bedeutet, dass wir mindestens 4 Versuche pro Spiel legen mussten – das entspricht ungefähr einem Sieg im Fußball mit mindestens 3 Toren. Dank unserer guten Vorbereitung und der Unterstützung von rund 3000 Zuschauern im Rücken, konnten wir deutlich mit 72:14 gewinnen. Eine kurze Zusammenfassung unseres Sieges findet ihr hier (die Action startet ab 2:20min):
Entscheidungsspiel in Schweden
Mit dem Heimsieg hatten wir nun die optimale Ausgangsposition für unser letztes Gruppenspiel geschaffen, da zeitgleich unser härtester Verfolger aus Moldawien verlor. Das Ziel, auf das wir nun schon seit 2 Jahren gezielt hinarbeiten, war zum Greifen nahe. Gott sei Dank hielt auch dieses Mal unser Nervenkostüm und wir konnten die Partie mit 40:12 für uns entscheiden. Der Aufstieg war geschafft und der Traum von der WM-Qualifikation konnte weiterleben!


Hart erkämpfter Auswärtssieg in Amsterdam
In der ersten Runde der WM-Playoffs wartete unsere geliebter Nachbar aus den Niederlanden. Wie im Fußball, ist die Partie Deutschland-Holland ein echter Klassiker. Dementsprechend hart umkämpft und emotional lief die Begegnung ab. Wir dominierten, konnten aber unter widrigsten Wetterbedingungen unsere zahlreichen Chancen nicht konsequent nutzen. So hielten wir das Spiel lange Zeit spannender als es nötig gewesen wäre. Nach einer roten Karte mussten wir das Spiel dann auch noch in Unterzahl beenden. Mittlerweile sind wir jedoch abgezockt genug, um auch mit so einer schwierigen Situation umgehen zu können. Am Ende konnten wir uns mit 17:7 durchsetzen und in die nächste Runde der WM-Playoffs einziehen.


Deutschland klettert in der Weltrangliste
Als kleines Kind habe ich davon geträumt, eines Tages einmal bei der WM teilnehmen zu dürfen – und träume es noch immer. Nun mit 24 Jahren bin ich mit meinen Team-Kollegen der WM so nah wie noch keine andere deutsche Nationalmannschaft zuvor. Ein weiteres Indiz, dass wir auf einem sehr guten Weg sind, ist unser derzeitiger Weltranglistenplatz – mit Rang 24 sind wir so gut platziert wie noch nie. Dass wir uns davon allerdings nichts kaufen können, wissen wir selbst.


Dank unserer guten Leistungen ist die weltweite mediale Aufmerksamkeit, die uns zuteil wird, gewaltig gestiegen. Die Rugbyfachwelt nimmt sehr genau wahr, welche Fortschritte wir machen. Vom schlafenden Riesen, der so langsam aufwacht, ist da die Rede. Die zahlreichen Reportagen, Fernsehberichte und Pressetermine sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache. Rugby in Deutschland ist auf dem Vormarsch! Dafür haben wir mit bis zu 9 Trainingseinheiten pro Woche aber auch kräftig geackert. Wenn man bedenkt, dass wir alle noch nebenher arbeiten oder studieren, ist das ein ganz schön hartes Brot. Doch was solls, so eine Chance bekommen wir vielleicht nie wieder im Leben. Und diese wollen wir nutzen!
Die russischen Bären warten in Hamburg
Am kommenden Samstag um 15 Uhr geht es nun also auf der Wolfgang-Meyer-Sportanlage in Hamburg gegen Russland. Das ist nochmal eine ganze andere Hausnummer als alle anderen Gegner, die wir in dieser Saison aus dem Weg geräumt haben. Nach ihrer ersten WM-Teilnahme vor 3 Jahren, haben die Russen einen weiteren Schritt nach vorne gemacht und können mit Spielern aus ihrer eigenen Profi-Liga ein sehr starkes Team aufbieten. Mit Georgien, Spanien, Portugal und Rumänien zählen sie übrigens zu unseren Gruppengegnern nächstes Jahr – da spielen wir dann schon mal vor 40.000 Zuschauern in Tiflis!


Die physischen Russen gehen zwar als hoher Favorit in die Partie, doch wir alle sind davon überzeugt, dass wir am Ende als Sieger vom Platz gehen werden. Es werden sich nicht viele Chancen bieten, doch genau diese müssen wir ausnutzen. In den letzten 2 Jahren haben wir eine Entwicklung genommen, die uns nur wenige zugetraut hätten. Dahinter steckt harte Arbeit von Spielern und Trainern, die nicht nur auf dem Platz eine Einheit bilden, sondern auch abseits des Feldes gute Freunde sind. Vielleicht haben wir (noch) nicht die individuelle Klasse wie die Russen, doch mit Herz, Wille und dem Hamburger Publikum im Rücken werden wir zeigen, dass der Weg zur WM nur über Deutschland führt!
Fotos: Jürgen Kessler, Rainer Rück
 

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