Deutsche Meisterschaften im Cross Country - Gänsehaut Feeling beim Jubiläum

Im Jahre 2003 als ich 13 Jahre jung und unerfahren war, rollte ich in Dettingen an der Erms zum ersten Mal bei einer Deutschen Mountainbike Meisterschaft im Cross Country an die Startlinie. Renntaktik oder Erfahrungen im Grenzbereich hatte ich bis dahin zwar gesammelt, doch machte ich mir kaum Ambitionen auf einen Podest-Platz.

Im U15 Klassement musste vor dem Start ein Technik-Parcour Plus Slalom absolviert werden. Nach diesen Ergebnissen erfolgte die Startaufstellung. Je weniger „Fehlerpunkte“ man gesammelt hatte, umso weiter vorne wurde man aufgestellt. Trainiert hatte ich darauf nur wenig und so reihte ich mich bei der Startaufstellung im hinteren Drittel ein. Ok, kein Problem dachte ich mir und fuhr mit vollem Einsatz los, jede Möglichkeit nutze ich, um weiter nach vorne zu kommen. Doch dann holte mich der „Mann mit dem Hammer“ ein und ich legte schnell wieder den Rückwärtsgang ein. Doch am Ende war ich einfach nur happy, diese Herausforderung geschafft zu haben und das Ziel als 18. zu erreichen.
10 Jahre später…
Inzwischen ist viel passiert. Nach meinem Debüt bei den Deutschen Meisterschaften 2003 hatte mich der Ehrgeiz voll und ganz gepackt. Ich wollte mehr! Ich trainierte viel, feilte an meiner Technik und dem schnellen Bergabfahren auf Zeit. Hüpfte auf Europaletten rum, fuhr auf dem Hinterrad durchs Wohngebiet und quälte mich den Berg hinauf.
Nach der Schule gabs nur eins für mich: ab aufs Bike und Spaß haben. Während andere im Schwimmbad an der coolsten Art und Weise des ins Wasser Springens feilten, um die Blicke der schönen Mädchen zu erhaschen, rockte ich mit meinem Bike durch die örtlichen Wälder und „surfte“ Trails.

Inzwischen liegen 10 Deutsche Meisterschaften hinter mir. Ich konnte bei 8 Meisterschaften eine Medaille erringen und wurde 3 Mal Deutscher Meister. Doch in diesem Jahr lief alles anders. In den vergangen Jahren hatte ich es oft geschafft, auf den Punkt fit zu sein. Durchtrainiert war ich, mental stark und bis in die Haarspitzen motiviert. Manch ein Sprecher nennt mich sogar Mr. Deutsche Meisterschaft :) Unzählige Trainingskilometer und viele Stunden auf dem Mountainbike waren nötig, um dieses Ziel zu erreichen.
Im Vorfeld dieser Deutschen Meisterschaft gab es aber Situationen, in denen ich nicht wusste, geht es weiter, wo geht es hin und wann hört es vielleicht sogar auf? Ich dachte ans Aufhören, hatte viele Verletzungen… Ein Sturz in Südafrika 2012 brachte mich fast völlig aus dem Konzept, als ich mit voller Wucht mit dem Rücken bergab auf einen abgesägten Baumstumpf stürzte. Aber ich bin ein Kämpfer, ich liebe die Herausforderung und vor allem den Mountainbike-Sport. Also weitermachen!

2013 – Das erste Mal im Elite Klassement
In diesem Jahr fand die Deutsche Meisterschaft in der Solestadt Bad Salzdetfurth statt. Hier wird der Bike-Sport gelebt. Nicht nur von den Mountainbikern, sondern auch von den Bürgern der Stadt. Die Rennstrecke quert die Innenstadt und man fährt direkt durch eine Hauseinfahrt bzw. den dazugehörigen Garten. Die Stimmung an der Strecke war also atemberaubend. Und endlich stand ich bei den „Großen“ am Start.
Der Countdown läuft und dann das…
Zur letzten Vorbereitung auf meinen Saisonhöhepunkt startete ich beim int. Bundesliga Finale in Saalhausen. Am Start zog ich vorne mit und positionierte mich im Bereich um Platz 5. Dann machte es „peng“ und der Motor war aus. Ich verlor Positionen und beendete das Rennen auf Platz 11. Irgendwas schien faul, denn die Wochen zuvor hatte ich eine aufsteigende Form und mein Feeling auf dem Bike wurde immer besser. Was war also los?

Die Antwort kam Montagnachmittag. Als ich nach einem kurzen Mittagsschlaf aufwachte, fühlte ich mich schlapp. Mist! In der Nacht zum Dienstag erwischte es mich dann komplett. Ich lag mit Fieber im Bett und verbrachte mehr Zeit im Bett und Bad als sonst wo. Der Traum war dahin. Eine weitere Top Platzierung rückte in weite Ferne. Die nächsten Tage kurierte ich meine Krankheit aus.
Der Freitag war mein Stichtag. Ich fühlte mich soweit wieder gesund und wollte unbedingt bei meinem 10 jährigen Jubiläum an die Startlinie rollen. Also packte ich meine Koffer und startete in Richtung Bad Salzdetfurth.
Ein schneller Start und ein schnelles Ende

Sonntag, 14:15 Uhr, bewölkt und ca. 19 Grad Celsius. Optimale Bedingungen um Höchstleistungen zu vollbringen. Startnummer 8 klemmte an meinem Lenker und ich war bereit für große Taten. Doch nach der Einführungsrunde war schnell klar, dass ich heute nicht über die Strecke „fliegen“ werde. Und trotzdem fuhr ich weiter. Denn ich liebe diesen Sport und die Fans an der Strecke trugen mich förmlich die Anstiege hinauf.
Am Ende überquerte ich als Zwölfter die Ziellinie. Kein Ergebnis mit dem ich zufrieden sein kann, wenn ich gesund gewesen wäre. Aber unter diesen Umständen bin ich zufrieden. Ich konnte nur gewinnen, denn allein bei so einer Großveranstaltung am Start zu stehen, erfüllt mich immer noch mit Stolz!
Deshalb geht der Blick nach vorne! Aufgeben zählt nicht :)
Ride on!
Euer Flesh

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