Der Pfalztrail ist kein Spaziergang


Was beim Pfalztrail so zu erwarten ist, dass habe ich Euch in meinem Artikel "Grenzgänger beim Ultratrail: Der Pfalz-Trail am 6.10.2012 " berichtet. Wie es mir allerdings tatsächlich erging, das erzähle ich Euch hier.
Außerdem haben wir hier schon mal die schönsten Bilder des Pfalztrails für Euch zusammen gestellt.
Gestartet wurde der Lauf auf dem Fussballplatz von Hertlingshausen und führte von dort ein paar hundert Meter durch den Ort, bis die Läufer dann vom Wald und dessen Wegen verschluckt wurden. Ein schmaler Waldweg schlängelte sich vor einem vorbei an Bächen und derlei. So weit, so gut. Keine unüberwindbaren Hindernisse. In einem kurzen Anflug von Übermut, dachte ich, der Lauf würde ein Spaziergang werden.
Tempo raus, erster Gang eingelegt und im Schneckentempo den Berg hinauf
Der erste „Berg“ - erfahrene Trailläufer würden ihn wohl höchstens einen Hügel nennen - zeigte mir, dass 600 Höhenmeter nicht von ungefähr kommen und dass ich mich vielleicht verkalkuliert haben könnte. Also erstmal Tempo raus, ersten Gang eingelegt und im Schneckentempo den Berg hinauf“gewandert“. Alles noch machbar.
Es ist ein schöner Lauf
Bergabwärts wurde angetestet, was die Sohle meines Schuhs an Halt bieten kann. Test bestanden, weiter gehts. Wirklich eine schöne Gegend. Während ich einen Schluck aus dem Schlauch meines Trinkrucksacks nehme, überlege ich, wie weit die Ultraläufer, die morgens um 7:30 Uhr starteten, denn bereits gekommen sein mögen. Ich erzittere in Ehrfurcht und trabe weiter locker vor mich hin. Hier ein Anstieg, dort ein kurzes Stück fernab von „normalen“ Waldwegen. Nichts was einen nur auf Straßen erprobten Läufer vor Schwierigkeiten stellt. Es ist ein schöner Lauf. Irgendwann brechen wir aus dem Wald heraus und laufen im strahlenden Sonnenschein. SO sollten mehr Menschen ihre Zeit verbringen. Ich sauge die Sonnenstrahlen auf und verschwinde mit den anderen Leidensgenossen wieder im Wald.
Ein besonderes Highlight - die Verpflegungsstelle
Ein besonderes Highlight bietet die Verpflegungsstelle bei Kilometer 14. Diese befindet sich in Überresten einer kleinen, alten Burg. Während die anderen Läufer nach Getränken und Futter greifen, nehme ich mein Gel aus dem Rucksack, spüle mit Wasser aus dem Rucksack nach, schaue mir kurz das Szenario an und bin schon wieder weg.
Entlang an Kreidepfeilen und Absperrbändern
Es geht durch schmale verwinkelte Wege, über Weinfelder und zum Teil schon ordentlich bergauf bzw. bergab.
Im Nachhinein werden sich ein paar Läufer beschweren, dass die Wege nicht ausreichend genug ausgewiesen waren. Ich persönlich hatte nie Probleme den Weg zu finden. Entweder waren die Kreidepfeile auf dem Boden, oder die Absperrbänder in den Ästen immer gut zu erkennen und wiesen mir den Weg.
Es kommt wieder ein „Berg“. 600 Höhenmeter. Ich hätte damit rechnen müssen. Ich gehe teilweise die steilen Abschnitte, um Kraft zu sparen. 28 Kilometer müssen gut eingeteilt werden. Bergab merke ich, wie die Oberschenkel einiges ertragen müssen. Es zieht langsam. Aber ich werde es überleben.
Die Beine fühlen sich leer an
Es folgt ein relativ langer Abschnitt mit nur geringem Auf und Ab. Interessanterweise sagen mir hier meine Beine, dass wohl jemand den Stecker gezogen haben muss. Ich lege Gehpausen ein. Es hilft nichts. Ich trinke und verpflege mich. Ich laufe wieder ein Stück. Es hilft nichts. Die Beine fühlen sich leer an. Ist das der Mann mit dem Hammer? Findet der mich auch im Wald? Und wie hat er die Anstiege bis hierher verkraftet? Fragen über Fragen.
Apropos Anstiege: Während ich noch in Gedanken bin, wird es plötzlich steiler. Und, wie der Phönix aus der Asche, kehren meine Beine aus dem Winterschlaf zurück. Es läuft wieder. Locker bergauf. Oben nochmal eine Verpflegungsstation. Kilometer 20 schon. Das wäre doch gelacht.
Reflexzonenmassage for free
Wie immer kommt der Hochmut, vor dem Fall. Meine Oberschenkel sind zum Bersten gespannt, als es bergab geht. Der steinige Waldweg verpasst meinen Füßen eine Reflexzonenmassage vom allerfeinsten und ich gehe bergab. Immer noch schmerzhaft, aber besser.
Als es weniger steil bergab geht, kann ich wieder in einen lockeren Laufschritt wechseln. In einem Dorf gibt es die letzte Verpflegungsstation. Ich schnappe mir Cola und versuche mich mit Koffein ins Leben zurückzurufen. Funktioniert auch ganz gut. Noch 5 Kilometer.
Es geht wieder ein wenig bergauf. Wieder verschwinde ich im Pfälzer Wald.
Stellenweise bin ich komplett allein unterwegs. Ich schaue mich um und frage mich, ob ich mich verlaufen habe. Dann wieder eine Wegmarkierung. Also alles richtig gemacht.

Von weitem höre ich den Stadionsprecher. Es kann also nicht mehr weit sein. Aber wieder freue ich mich zu früh. Als hätten die Veranstalter mit der Vorfreude der Teilnehmer spielen wollen, werden wir plötzlich noch einmal um einen Berg herumgeführt und dürfen doch noch ein paar Höhenmeter mitnehmen. Es werden die letzten am heutigen Tag sein.
Das Stadion in Sichtweite
Der nun folgende Abschnitt des Pfalztrails kommt mir bekannt vor. Hier habe ich mich doch heute morgen mit Laufkollegen warmgelaufen. Es können also nur noch ein paar hundert Meter sein. Ich sehe das Stadion. Durch das Gitter, eine Treppe hinunter und den Zieleinlauf genießen.
Ich bin durch. Meine Oberschenkel sind komplett zu, die Beine müde und ich muss erstmal ein paar Liter Flüssigkeit nachtanken.
So fühlt es sich also an, wenn man über seine Grenzen hinausgeht.
Ich schlurfe rüber zum Stand von Engelhorn Sports und melde mich zurück. Dort warten bereits die Kollegen. Raphael meinte natürlich den Lauf gewinnen zu müssen. Unfassbar. In knapp über zwei Stunden hat er die Strecke hinter sich gebracht. Meine Oberschenkel schmerzen allein bei der Vorstellung jeden dieser Berge komplett durchlaufen zu müssen noch stärker.
Ich gönne ihnen eine warme Dusche in den präparierten Zelten hinter dem Stadion. Wie es möglich ist, dass so heißes Wasser aus einer „Zeltdusche“ kommt: Chapeau!
Nach gefühlten 10 Minuten unter der warmen Dusche fühle ich mich langsam wieder ansprechbar.
Zurück am Stand ist inzwischen auch Achim, der die Ultrastrecke in Angriff genommen hat, eingetroffen. Er sieht um einiges frischer aus als ich. Selbst nach der Dusche. Als erfahrener Ultra musste er seine Grenzen wohl nicht so weit verschieben, um 69 km zu laufen.
Den Pfalztrail kann ich nur wärmstens empfehlen, wenn man den Einstieg in den Trailbereich sucht. Schöne Gegend, moderate Steigungen und nicht zu schwierige Wege.
Ideal auch für mich, um meine Premiere in diesem Terrain zu feiern.
Aber 69km.... verlockend ... was für eine Herausforderung.
Vielleicht ein anderes Mal, wenn ich meine Grenzen noch ein Stück weiter verschieben möchte. Für dieses Mal reichten mir die 28km vollkommen.
In diesem Sinne: Keep on running!
 
Pictures by Norbert Wilhelmi
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