Der Marathonmann: Wenn ich laufe, geht’s mir gut

42,2 - Der Marathonmann: Die nächsten Wochen haben es für Sebastian Stollhof in sich. Erst der Rockie-Mountain-Lauf am 6. April, eine Woche später dann der Römerlauf in Eisenberg. Gut, dass er diesmal mit Ralf und Josefa Matheis zwei in der Szene bestens bekannte Trainingspartner hat. Der Redakteur merkt dabei schnell, was eine Berglauf-Weltmeisterin von einem Anfänger unterscheidet. Einmal hechelnd durch den Wald rund um Steinborn.
Steinborn. Keinen Schritt mehr. Dieser Berg hätte beim besten Willen keinen Meter höher sein dürfen. Das tat weh. Aber ganz ehrlich: In einem solchen Tempo bin ich so eine Steigung noch nie hochgerannt. Später, wenn ich meine Uhr zur Auswertung an den Laptop hänge, werde ich sehen, dass wir hier auf 370 Metern über dem Meeresspiegel sind. Der höchste Punkt an diesem Tag. Hier, irgendwo im Wald zwischen Steinborn und Stauf.
Unterwegs mit der Berglauf-Weltmeisterin
Erst einmal durchschnaufen. Wobei wir eigentlich noch nicht wirklich lange unterwegs sind. Den Gipfel dieses Berges haben wir nach 15:57 Minuten erreicht.  Und bei mir zu Hause am Donnersberg bin ich auch schon steilere Berge mit längeren Anstiegen hoch. Aber eben noch nicht zusammen mit einer Berglauf-Weltmeisterin. Diesen Titel holte die 46-jährige Josefa Matheis im vergangenen Jahr in Bühlertal im Schwarzwald in ihrer Altersklasse W45. „Eigentlich bin ich gar keine Bergläuferin“, sagt die Steinbornerin. „Da sieht man aber mal, was man mit Training alles erreichen kann“, fügt ihr Mann Ralf an. Wohl wahr. Beiden ist nach diesem Berg kein Fünkchen Anstrengung anzumerken.
Um da mitzuhalten, sind für mich wohl noch ein paar Trainingseinheiten nötig. Gut, dass es jetzt erst einmal bergab geht. Es ist schon beeindruckend, in welch gleichmäßigem Tempo Josefa Matheis unterwegs ist - egal, ob bergauf oder -ab. 1985 nahm sie erstmals an einem Wettkampf teil - dem Fackellauf in Rodenbach bei Kaiserslautern. Es war der Start einer tollen Laufkarriere. Deutsche Meisterin ist die 46-Jährige schon mehrmals in ihrer jeweiligen Altersklasse geworden, Weltmeisterin nun auch. „Laufen ist für mich wie eine Droge. Wenn ich laufe, geht’s mir gut“, sagt sie. Am 14. April würde sie bei ihrem Heimspiel, dem Römerlauf in Eisenberg, gerne wieder schnellste Frau werden. Sowie bei der Premiere vor zwei Jahren, als sie für die 25 Kilometer und insgesamt 650 Höhenmeter 1:48:26,56 Stunden brauchte. „Die Strecke liegt ihr, das müsste sie wieder schaffen“, ist der 47-jährige Ralf Matheis zuversichtlich.
Der Fackellauf 1985 war auch sein erster Wettkampf. „Als ich damals gesehen habe, dass mein Vater und meine Frau schneller waren als ich, habe ich mir gedacht: ,Das kann nicht sein!’“ Ralf Matheis trainierte. Mit Erfolg: „Meine Frau hatte ich jahrelang im Griff. Die letzten Jahre war sie aber schneller.“ Mittlerweile geht es bei ihm allerdings wieder aufwärts. Nicht zuletzt, weil er seine Achillessehnenprobleme überwunden hat.  Wir haben zwar den ersten Berg hinter uns, Nummer zwei steht uns jetzt aber gleich bevor. Die serpentinenartige Straße hinauf nach Stauf. Beim Römerlauf wird es hier noch einmal richtig hart. Nicht nur beim Römerlauf. Auch jetzt ... Ein gutes Training für Josefa Matheis und für mich.
Knackiges Programm
Denn wir beide wollen eine Woche vor dem Wettkampf in Eisenberg beim Rockie-Mountain-Lauf starten. 13 Kilometer von Rockenhausen auf den Donnersberg.  „Es ist vielleicht am besten, diesen Lauf mit 90 Prozent zu absolvieren“, rät Ralf Matheis. Auch Josefa Matheis wird da wohl keine 100 Prozent gehen. Zumal sie am kommenden Samstag auch noch beim Rheinzaberner Osterlauf über die Halbmarathondistanz teilnehmen möchte. Ein happiges Programm. Josefa Matheis wird es meistern. So wie den Weg hinauf nach Stauf.
Locker schaut das aus. Mein Puls hat dagegen gerade schon wieder die 180er-Marke geknackt.  Vier bis fünf Mal gehen Josefa und Ralf Matheis pro Woche laufen, rund 60 Kilometer kommen da zusammen. Klar, dass bei so viel Laufleidenschaft auch der Nachwuchs schon angesteckt wurde. Der 13-jährige Sohn Fabio wurde gerade erst Pfalzmeister im Cross und Dritter bei den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften. Töchterchen Elena (5) brachte auch schon ihren ersten Pokal nach Hause und ist in der Leichtathletik-Gruppe der TSG Eisenberg. „Striezen werden wir sie aber nicht. Sie können machen, was sie wollen“, erzählt Ralf Matheis. Mama Josefa hat ohnehin ausgemacht, dass Elena noch nicht so das Lauffieber gepackt hat wie ihre Mutter.
Auf die Bremse gedrückt
Wir sind mittlerweile auf dem Weg zurück nach Steinborn. 11,23 Kilometer und 310 Höhenmeter werden am Ende zusammenkommen. 6:34 Minuten brauchen wir pro Kilometer im Schnitt. Die Anstrengungen vom ersten Berg sind längst verflogen. Alles in allem ein schöner Trainingslauf. Klar, dass Ralf und Josefa Matheis normalerweise schneller unterwegs sind. „Aber wenn du so weitermachst, musst du bald langsamer machen, wenn du mit uns läufst“, sagt Ralf Matheis mit einem Lächeln. Bis das soweit ist (wenn es denn überhaupt einmal soweit sein sollte), wird noch viel Wasser den Rhein runterfließen. Ein Lob gibt’s dennoch vom Experten: „Du hast einen guten Laufstil. Bei dir ist schon einiges drin. Man müsste mal auf der Bahn schauen, wo man bei dir noch feilen kann.“ Das machen wir, versprochen! Auf dem Weg zu meinem ersten Marathon kann ich jede Unterstützung gebrauchen. Und bessere Trainingspartner als das sympathische Lauf-Ehepaar gibt es kaum.
 
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