Der Marathonmann: Keine Lust auf Schmerzen

Es wird so langsam ernst für Sebastian Stollhof. Ende Januar nahm der RHEINPFALZ-Redakteur beim Leininger Cross in Grünstadt erstmals an einem Wettkampf teil. Vorab hat er beim Lauftreff der TSG Grünstadt trainiert, Teile der Strecke im Rudolf-Harbig-Stadion betrachtet und viele nützliche Tipps erhalten.
Laufen auf gefrorener Aschenbahn
Grünstadt. Nein, von Schnee und gefrorenen Aschenbahnen lassen wir Läufer (ja, so langsam zähle ich mich auch dazu) uns schon lange nicht mehr aufhalten. Im Gegenteil: Auch bei solchem Wetter können Mann und Frau richtig viel Spaß haben. Der beste Beweis: ein Besuch beim Lauftreff der TSG Grünstadt an einem Dienstagabend. Dann drehen die Läufer im Winter im Rudolf-Harbig-Stadion ihre Runden. Wenn es abends wieder länger hell ist, geht es in den Stadtpark oder auch mal in die Weinberge. Schnell finden sich kleine Grüppchen, die das für sie passende Tempo finden. Tempoläufe fallen angesichts der gefrorenen Aschenbahn aus. Sie sind aber so oder so eher eine Ausnahme beim TSG-Lauftreff. „Ab und zu machen wir das schon“, sagen Bernd Zoels und Eric van der Heijden. Harry Brand, der zusammen mit Renate Biehlmaier den Lauftreff leitet, ist davon überzeugt: „Das bringt mit Sicherheit was.“ Ingo Engel wirft grinsend ein: „Ja, Schmerzen!“
Laufgeschichten
Auf Schmerzen haben wir an diesem Dienstagabend keine Lust. Deswegen drehen wir eher gemütlich unsere Runden. Und erzählen. Zum Beispiel über den Leininger Cross am Samstag, 26. Januar, im Grünstadter Rudolf-Harbig-Stadion - meinem ersten Wettkampf. Wie schnell die Zeit vergeht. „Wichtig ist, dass du nicht so schnell angehst. Lauf locker, die letzten beiden Runden kannst du dann immer noch anziehen“, rät mir Harry Brand. Er weiß nämlich auch: „Die kleinen Steigungen haben es durchaus in sich.“ Eine Wunschzeit für die neun Kilometer habe ich mir nicht vorgenommen. Übrigens auch (noch) nicht für den Weinstraßenmarathon. Vielleicht auch ganz gut so. Der 38-jährige Ingo Engel ist vor zehn Jahren auf der Weinstraße auch seinen ersten Marathon gelaufen. Damals sogar unter vier Stunden. „Das hätte ich nicht gedacht.“ Und auch er sagt: „Wichtig ist, das richtige Tempo zu finden, nicht zu schnell anzugehen. Beim Marathon brechen viele zum Schluss ab. Da ist es ein gutes Gefühl, wenn man hintenraus zulegen und andere überholen kann.“ Er muss es wissen, 20 Marathons hat er mittlerweile in den Beinen, dreimal lief er unter anderem schon in Berlin. Zuletzt im vergangenen Jahr. „Das war aber nicht mein Jahr“, sagt Engel. In der Hauptstadt kam er dennoch fast ohne Vorbereitung nach 3:30 Stunden an.
Harrys Tipp: Die richtige Ernährung finden
Eine Zeit, die auch Harry Brand bei seinen 16 Marathons schon geschafft hat. Er ist bislang noch keinen doppelt gelaufen. Die 42,2 Kilometer Laufen werden stets mit einem Wochenendausflug mit seiner Frau verbunden. „Mallorca und der Marathon am Gardasee waren besonders schön“, erzählt der 48-jährige Sausenheimer, der 1995 mit dem Laufen angefangen hat. Seine Marathon-Bestzeit lief er übrigens auf Mallorca in 3:24 Stunden.  Für ihn ein ganz wichtiges Thema: die richtige Ernährung während des Laufens. Jeder müsse zum Beispiel das richtige Gel für sich finden. „Und du wirst auch noch lernen müssen, wie du am Verpflegungsstand während des Laufens zum Getränk greifst und dann auch trinkst, während du rennst.“ Stimmt. Damit habe ich mich noch gar nicht beschäftigt. Aber genau solche Hinweise sind es, die ich so unheimlich spannend finde. Dafür bin ich dankbar, das macht Spaß. Wie überhaupt der Abend in Grünstadt.
Laufen aus Spaß
Es geht locker zu. So soll es auch sein, findet Renate Biehlmaier. Die 65-Jährige kümmert sich insbesondere um den Dienstagslauftreff, nimmt dann auch schon mal Neulinge unter ihre Fittiche. „Hier geht es darum, sich zu bewegen, sich mit netten Leuten zu treffen und was für seine Gesundheit zu tun“, sagt die Grünstadterin. Sie läuft schon seit 45 Jahren. Damals hat sie ihr Mann quasi angesteckt. Wettkämpfe sind nicht so ihr Ding. „Ich habe vielleicht an drei, vier Läufen über zehn Kilometer teilgenommen. Aber ich mache das lieber aus Spaß an der Freude.“ Der Spaß im Harbig-Stadion ist an diesem Abend nach 50:56 Minuten vorbei. 8,4 Kilometer haben wir geschafft, macht 6:04 Minuten pro Kilometer. Alles sehr angenehm eben. Info Lauftreff der TSG Grünstadt: Die Gruppe trifft sich dienstags und freitags nach Absprache. Jeder ist willkommen. Dienstags wird im Winter im Stadion gelaufen, freitags auf Straßen. Infos bei Renate Biehlmaier, Telefon 06359/81285.
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