Der Marathonmann: Die Hölle der Pfalz

42,2 – Der Marathonmann: Der Römerlauf in Eisenberg wird für Sebastian Stollhof am 14. April der erste richtig große Härtetest. Wer 25 Kilometer laufen will, der sollte zuvor auch mal auf längeren Strecken trainiert haben. Gut, dass die TSG Eisenberg spezielle Trainingsläufe für ihre Veranstaltung anbietet. Und die haben es in sich.
Eisenberg. Irgendwie hat an diesem Sonntagmorgen gar keiner mehr Lust über das Wetter zu motzen. Ändern kann man es eh nicht – und die Hoffnung auf Frühling scheinen viele auch schon aufgegeben zu haben. Da können zwei Grad über Null und Regen einen Läufer schon längst nicht mehr abschrecken. Also geht’s gemütlich los vom Parkplatz oberhalb des Waldschwimmbades hinab nach Eisenberg. Knapp 22 Kilometer sind geplant. Da macht es durchaus Sinn, nicht zu schnell anzugehen. Andererseits machen die „Schnellen“ heute sowieso langsam. Sie sorgen dafür, dass sich niemand verläuft. Spielen sozusagen die Streckenführer.
 
Neue Läufer, neue Tipps
Ralf Matheis pendelt so immer mal wieder zwischen vorderster und mittlerer Gruppe, Leonhard Mayer ordnet sich weiter hinten ein. Das Schöne am Laufen ist, dass man immer wieder neue Menschen kennenlernt, von denen man sich viele Tipps holen kann. Die ersten Marathonerfahrungen von Winfried Hotten sind zum Beispiel noch ganz frisch. Im vergangenen Jahr lief er seinen ersten in Frankfurt. Nach 3:49 Stunden kam er im Ziel an. „Die letzten Kilometer hatte ich Krämpfe“, berichtet der 45-jährige Gymnasiallehrer aus Ebertsheim, der seit eineinhalb Jahren für die TSG Eisenberg startet. Oh weia, ich befürchte, dass es mir im nächsten Jahr auf der Weinstraße nicht viel besser gehen wird...
Auf Krämpfe habe ich an diesem Morgen keine Lust. Allerdings wäre es auch nicht sonderlich gut um meine Kondition bestellt, wenn bei Kilometer vier in Kerzenheim schon die Waden zumachen würden. Obwohl der Stich den Radweg nach Kerzenheim hoch der erste ist, der es so richtig in sich hat. Es wird allerdings auch nicht der letzte sein an diesem Tag. So viel vorab.
Ein regelmäßiger Besucher bei den Römerlauf-Trainingseinheiten ist Harry Brand, Abteilungsleiter des Lauftreffs der TSG Grünstadt. Eigentlich würde er gerne am 14. April in Eisenberg starten. Geht aber nicht, weil er sich schon seit längerer Zeit für den Halbmarathon in Bonn angemeldet hat, der am gleichen Tag stattfindet. „Schade, ich wäre hier gerne gelaufen“, sagt er. Überall kann man eben nicht sein. Dafür laufen wir jetzt gemeinsam auf der Kreisstraße 78 Richtung Rosenthal. Meistens bergauf. Ich beiße mich in der vorderen Gruppe fest, auch dank Harry Brand oder Winfried Hotten, die mich immer wieder mitziehen. Das ist nett – und bitter nötig, wie sich nur ein paar Minuten später zeigen wird, als wir auf die L396 abbiegen. Diese Steigung hinauf Richtung Göllheimer Häuschen tut richtig weh.
Kurzer Zwischenstopp
Dort wartet bereits Jürgen Ullmer, der Abteilungsleiter des Eisenberger Lauftreffs. Er hat im Kofferraum seines Autos einen großen Pott Tee. Einen Becher davon kann ich jetzt gut gebrauchen. Kurze Pause, noch einen Becher. Nach und nach trudeln auch die anderen Läufer und Läuferinnen ein. Weiter geht’s. Harry Brand muss noch nach Ludwigshafen, mir ist kalt.
Traumzeiten
Aus unserer Dreier- wird bald eine Vierergruppe, denn Leonhard Mayer kommt von hinten angerauscht. Für den Hettenleidelheimer, der für die TSG Eisenberg startet, sind die 22 Kilometer nur ein Teil seiner heutigen Trainingsstrecke. „Insgesamt werde ich heute vier Stunden laufen“, sagt er. „Hardy“, wie ihn alle nennen, ist mitten in der Marathonvorbereitung. Im April will er in Düsseldorf starten. „Ein sehr schöner Lauf“, sagt er. Eine Zeit hat er sich dort nicht zum Ziel gesetzt. „Aber ich trainiere schon so, als wenn ich ihn unter drei Stunden laufen wollte.“ Wahnsinn. Zeiten, an die ich nicht einmal im Traum denke. Aber Hardy, Jahrgang 1968, hat sie drin. Auf der Weinstraße war er im vergangenen Jahr nach 2:54:58 Stunden im Ziel.
Wahrlich ein flottes Tempo. Auch wir werden schneller. Bislang haben wir im Schnitt so etwas unter sechs Minuten pro Kilometer gebraucht. Auf dem Weg hinab nach Ramsen sind wir zeitweise deutlich unter fünf Minuten. Ob ich das durchhalte?
Aber kurz hinter Ramsen, als es hinauf Richtung Stauf geht, werden wir wieder langsamer. Es kommt sogar die Sonne raus. Wer hätte das heute Morgen gedacht? Das steile Stück nach Stauf sparen wir uns. Doch ganz ohne Steigung kommen wir nicht aus. Kurz hinter den Walther-Werken geht es hinauf Richtung Schwimmbadberg. „Du wirst auch nicht müde“, wundert sich Hardy über meine Kondition. Ich wundere mich auch, schließlich habe ich schon 20 Kilometer in den Knochen. Doch der Schwimmbadberg hat es in sich. Die Hölle der Pfalz – zumindest in diesem Moment. Mein Puls: 188. Winfried Hotten zieht mich. Danke. Geschafft, kaputt, aber glücklich.
Der zweite Römerlauf der TSG Eisenberg ist am Sonntag, 14. April, um 9.30 Uhr. Neben dem 25-Kilometer-Hauptlauf werden auch Schülerläufe über kürzere Distanzen sowie ein Partnerlauf angeboten. Alle Infos hierzu und Anmeldung unter www.lauftreff-eisenberg.de .
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