Der leichte Weg zu wandern

Großer Rucksack, schwere Stiefel, dicke Sohlen – sehr oft assoziieren wir hiermit einen klassischen Bergsteiger; einen Wanderer, der für mehrtägige Touren durch die Berge entsprechende Ausrüstung braucht. „Lieber zu viel als zu wenig“ so das einschlägige Credo der wandernden Zunft. Was aber vor einigen Jahren noch praktisch war, wird jetzt zur Last. Umpacken ist angesagt seitdem der neue Trend „Ultralight-Backpacking“ aus den Vereinigten Staaten herüberschwappt.
Bereits seit einiger Zeit sind immer mehr Berggeher zu sehen, die auf den ersten Blick auch für normale Jogger gehalten werden könnten. Leichte Laufschuhe, T-Shirt und Jogginghose sprechen ein deutliches Zeichen. Einziger Unterschied: Der nahezu winzige Rucksack auf dem Rücken: Ultraleicht-Wanderer brechen zu mehrtätigen Touren auf, erklimmen oft auch hohe Berge und sind dabei fast doppelt so schnell wie der gewöhnliche Wanderer.
Das Geheimnis der Schnelligkeit solcher Leichtgewicht-Bergsteiger ist ganz simpel: Flexibilität. Ein Wanderstock ist nicht ausschließlich ein Wanderstock, nachts wird er zum Stützpfeiler für das ultraleichte Zelt. Und der nächtliche Schutz vor Kälte fungiert tagsüber als Mantel. Denn immer gilt: Jedes Gramm zählt. Ehering? Zahnbürste? Unnötiger Ballast! Zur Zahnpflege reicht auch ein elastischer Fingerhut. Die Ausrüstung muss funktional, präzise und leicht sein, ohne dabei an Qualität zu verlieren.
Denn jedes Gramm weniger bedeutet nicht nur eine schnellere Wandertour, es schont ebenso die Gelenke und beansprucht die Gesundheit weniger. So ist auch für ältere Menschen das Leichtgewicht-Wandern von Vorteil.
Der Handel hat sich mittlerweile auf die leichte Art des Wanderns eingestellt. Nahezu jeder Outdoorausrüster bietet eine ultraleichte Variante von Rücksäcken, Kleidung und sonstigen Gebrauchsgegenständen an. Ob Mountain Running Schuhe oder schnelltrocknende Mikrofibre-Handtücher – der Ultralight-Backpacker wird immer häufiger fündig. Mit den auf den Wanderer zugeschnittenen Produkten wächst aber auch der Anspruch an den Wanderer selbst. Ultralight-Backpacker sollten bereits über Trekking-Erfahrung verfügen, um genau zu wissen, wo ein Gramm gespart werden kann und wo nicht.
Den Stein ins Rollen brachte vor ungefähr 25 Jahren der US-Amerikaner Ray Jardine, der es schaffen wollte, auf möglichst schnellem Weg die nationalen Wanderrouten in den USA zu absolvieren. Nun scheint auch das Wandervolk Deutschland auf den leichten Geschmack gekommen zu sein.

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