David Göttlers Tourbericht: Nach der Akklimatisierung, erster Versuch...


6. Mai 2012: Schneefall, leise, ohne Wind, fast zart, aber beständig… so unscheinbar auf den ersten Blick!
Nach einer Weile donnern plötzlich Staublawinen oder Spindrifts in XXL die Nuptse Flanke runter. Und es wird uns klar, wir sollten lieber schnell unser kleines Zelt und alles darin zusammenpacken und schauen, dass wir nicht in einer Mausefalle am Fuße des Nordpfeilers des Nuptse gefangen sind.
 
Rückzug zu Lager 2
 
So packen wir um 2 Uhr nachts alles in unsere Rucksäcke und machen uns auf den Weg durch Schneetreiben und quasi null Sicht runter zu Lager 2. Anfangs, über die erste große Spalte, sehen wir gerade noch unsere Spuren vom Tag zuvor. Danach queren wir zurück auf eine Art Balkon zwischen zwei Serac Zonen zur Lhotse Flanke. Hier haben wir am Tag davor bei unglaublicher Hitze, weil null Wind und Oberhitze auf 100%, zum Glück GPS Punkte gesetzt. Diese gehen wir jetzt rückwärts ab und finden so wieder zum Lager 2. Kurz davor, in absoluter Dunkelheit und keinen fünf Metern Sicht, kommen uns um kurz nach vier Uhr zehn Sherpas entgegen. Sie wollen zu Lager 3 hoch, finden aber den Weg nicht. Leider können wir ihnen nur sagen, unsere Spur führe sie zum Einstieg zum Nordgrat des Nuptse und nicht hoch zur Lhotse Flanke.
In Lager 2 angekommen, packen wir wieder um und lassen fast alles für einen zweiten Versuch am Nuptse zurück. Wir sind fest entschlossen, beim nächsten wirklich guten Wetterfenster noch mal einen Versuch zu starten. Der Pfeiler, die Route, der Berg, jetzt alles noch näher kennen gelernt, motiviert uns ungemein!

Kraft sammeln im Basislager


Zum Frühstück waren wir dann pünktlich im Basislager. So erholen wir uns jetzt mal wieder die kommenden Tage und verfolgen aufmerksam den Wetterbericht und hoffen auf eine möglichst bald kommende nächste Gelegenheit.
Bei diesem, wie wahrscheinlich beim nächsten Versuch war und wird Ralf nicht mit dabei sein. Er hat sich leider seit dem Anmarsch von einer hartnäckigen Bronchitis immer noch nicht erholt. So werden Gerlinde und ich versuchen, auf seinen Spuren zu wandeln. Er hat den Nordpfeiler schon im Jahre 1996 bestiegen. Unser Plan, mit ihm den Ostgrat zu begehen, haben wir wegen des vielen Blankeises und dem Steinschlag hoch zum Grat, und auch weil es die Idee von Ralf war, begraben. Für Gerlinde und mich ist der Nordgrat über die Scott Route aber eine wirklich motivierende Alternative und wir hoffen, über diese den Nuptse in den kommenden Wochen besteigen zu können!
Drückt uns bitte die Daumen und allen schöne Tage!
Ganz herzlichen Gruß,
David.
 
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