DAV Hochtouren Grundkurs: Ein Erfahrungsbericht - Teil ii

Anlegen der Steigeisen
Anlegen der Steigeisen

Im ersten Teil habe ich euch von den ersten Trockenübungen erzählt. Jetzt will ich das Ganze auch endlich in der Praxis erleben. Los geht's!

Übung macht den Meister - in der Theorie und Praxis

An den kommenden beiden Tagen üben wir das Gehen in der Seilschaft auf Steigeisen und Spalten-Bergungstechniken wie die einfache Rolle. Dazu gehören der Ankerbau mit dem Pickel im Altschnee und mit Hilfe der so genannten Abalakov-Sanduhr im Blankeis des Gletschers

Ganz schön anstrengend auf dieser Höhe, aber es macht Spaß, mit dem Material zu experimentieren und zu erfahren, wie vorher scheinbar unbegehbares Gelände plötzlich beherrschbar wird.

Höhepunkt ist das Abseilen über die Kante einer Verwerfung auf der Gletscherzunge und das Wiederaufsteigen mit Hilfe von Eisschrauben, Pickel, Steigeisen und Prusikschlingen.

Zwischendurch gibt es Theorieeinheiten und Trockenübungen in der gemütlichen Hütte. Wir lernen die Verwendung von Planzeiger, Karte, Kompass und Höhenmesser zur Tourenplanung und Orientierung bei schlechtem Wetter. Und das Wetter wird tatsächlich immer durchwachsener, es beginnt sogar kräftig zu schneien. Am Vorabend unseres Gipfelsturms gibt es das passende Unterhaltungsprogramm: der Hüttenwirt zeigt einen selbstgedrehten Film über seine Besteigung des Mount Everest mit Frau und Tochter von Tibet aus – sehr inspirierend.

Theorieeinheit in der Hütte
Theorieeinheit in der Hütte

Endlich wird das Wasser besser und wir können den Gipfel angehen

Am nächsten Morgen treffen wir uns früh um sechs zu unserem Gipfelsturm. 

Endlich strahlend blauer Himmel, oberhalb der Hütte sieht es jetzt dank des Neuschnees der vergangenen Tage wie im Januar aus.
Gletscherspalte
Gletscherspalte

Kurz vor uns hat sich eine andere Seilschaft auf den Weg gemacht. Vorteil: das erspart uns das lästige und kraftzehrende Spuren im teilweise hüfthohen Schnee. Nachteil: die echte Herausforderung bei der Orientierung zwischen unsichtbaren Gletscherspalten fällt aus.

Umso mehr können wir den dreistündigen Aufstieg zum Großvenediger einfach genießen. Mit jedem Höhenmeter weitet sich der Panoramablick über die umliegenden Gipfel hinaus, bald reicht die Sicht bis zu den Dolomiten im Südwesten und bis zum markanten Großglockner im Osten. Das Gehen in der Siebener-Seilschaft ist gewöhnungsbedürftig, da wir alle ein gemeinsames Durchschnittstempo finden müssen, um die Seilabstände zwischen uns halbwegs konstant zu halten. Faustregel: die langsameren gehen vorne, die schnelleren ganz hinten. 

Nach dreieinhalb Stunden ist es geschafft: nach den letzten Schritten auf dem schmalen Gipfelgrat erreichen wir das Kreuz auf 3.660 Metern Höhe. Wir genießen den gigantischen Ausblick über glitzernde Schneefelder und vergletscherte Bergflanken bis hinab in grüngraue Täler. Wir könnten hier ewig Pause machen, aber die Sonne brennt ordentlich vom Himmel und gebietet zur Eile – je länger sie auf die Schneedecke scheint, desto instabiler wird die Auflage über den Gletscherspalten. Tatsächlich bricht ein Mädel in unserer Seilschaft auf dem Rückweg mit einem Bein bis zum Oberschenkel ein. 

Wäre sie ganz versunken, hätten wir sie sicher wieder herausgezogen... :-)!

Mein Fazit

Und so bleibt nach fast fünf interessanten, anstrengenden und schönen Tagen als Fazit:

Ohne den DAV Hochtourenkurs wäre mir dieses beeindruckende Erlebnis verwehrt geblieben. Es war ein lehrreicher, interessanter und abwechslungsreicher Einblick in die Welt der Hochtouren und hat definitiv Lust auf mehr gemacht. 

Nun folgen hoffentlich noch viele andere Gipfel jenseits der üblichen Komfortzone!

Euer Nikolas!

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