Das Team Project Edgewalk beim Wings for Life World Run


„Seit Jahresbeginn sind nun endlich alle größeren gesundheitlichen Übel und Rückschläge ad acta gelegt, das Training entwickelt sich wie geplant und der Fokus ist ganz und gar nach vorn gerichtet.“ So lauteten jedenfalls meine Worte, als ich mich und das Project Edgewalk vor etwas über einem Monat hier im Blog vorgestellt habe.
In der Zwischenzeit ist viel passiert. Das Training ging gut voran, die erste spezifische Einheit mit Blick in Richtung der alpinen Herausforderungen im Sommer war im Kasten: Viermal 260 Höhenmeter hoch und wieder runter habe ich am Ochsenkopf im Fichtelgebirge abgerissen – bei einer zurückgelegten Distanz von nur etwa 13,5 Kilometern und auf technisch anspruchsvollstem Untergrund. Ich fühlte mich gut, sehr gut sogar.
Gesundheitliche Probleme beeinträchtigen Vorbereitung
Doch die Tage darauf sollten das alles ändern. Nein, es war kein ausgeprägter Muskelkater, den man hätte erwarten dürfen nach einem solchen Training. Zahntasche entzündet, Nagelbett des großen Zehs entzündet. Letzteres bis heute und leider mehr als nur unangenehm, wie sich bei meinem Saisoneinstand beim heimischen Rhön Super Cup zeigte. Körper und Geist sind müde und erschöpft und sehnen sich nach einem schmerzfreien Lauf, ein bisschen Normalität. Doch Ärzte haben kein Patentrezept parat, nicht einmal operativ scheint meinem Problem beizukommen zu sein. Es hilft wohl nur ein kleines oder auch ein etwas größeres Wunder. Alles was Apotheken dazu beizutragen haben, hilft jedenfalls nicht – außer dem Umsatz der Filialen.

Ein Zeckenbesuch nach einem hügeligen Fahrtspiel vor einer Woche und ein heute bescheinigter leerer Eisenspeicher sind leider wenig erhellend für meine Stimmung. Letzteres ist übrigens ein Problem, das viele ambitionierte Läufer betreffen dürfte, denn unser Eisenbedarf ist ungefähr doppelt so hoch wie der von Otto, dem Normalbürger. Individuelle Umstände können dazu weiteren Einfluss auf unseren Mineralstoffhaushalt haben.



Gesundheit ist oft zu selbstverständlich
Unter diesen Umständen erreichte Tom und mich vor zwei Wochen eine Einladung unseres gemeinsamen Ausrüsters CEP zum Wings For Life World Run zugunsten der Forschung zur Heilung von Querschnittslähmung in Darmstadt: „Laufen für jene, die es selbst nicht können“, so lautete das Motto des weltweit ausgetragenen Laufs. Zugegebenermaßen konnte ich es zu diesem Zeitpunkt selbst nur unter starken Schmerzen. Nichtsdestotrotz wollte ich nicht absagen und zumindest einige Kilometer Lauffreude beisteuern. Denn wie ich gerade wieder einmal selbst erfahren muss, ist Gesundheit für uns alle oftmals viel zu selbstverständlich. Wer kennt es nicht: Man hat keine Lust und streicht einen Lauf, obwohl man fit ist. Dabei sollten wir uns bewegen, weil wir es können. Ein gesunder Körper ist unser größtes Geschenk und wir sollten dieses annehmen!
Der Wings for Life World Run
Am 4. Mai um 12:00 Uhr MESZ war es dann so weit! Weltweit fiel der Startschuss für einen Lauf mit offenem Ende. Eine Ziellinie gab es nicht. Jeder Sportler lief so weit, bis ihn das sogenannte „Catcher Car“ überholte. Das konnten nur fünf Kilometer, aber auch über 70 Kilometer sein. Was jedoch zählte, war die Freude am Laufen, das Bewusstsein zu verinnerlichen, dass das, was man tat, nicht selbstverständlich ist.
Und Freude an dem, was wir taten, hatten wir zu genüge: Tom stürmte gleich beim Start forsch mit der Gruppe rund um Polar-Athletin Sabrina Mockenhaupt los, ich hielt mich in einer zuvor mit Lauffreunden verabredeten Gruppe auf, der sich die spätere Darmstadt-Siegerin der Frauen (und weltweit Fünfte) Lea Bäuscher anschloss. Wir ließen es ruhig angehen und legten auf dem Weg raus aus der Innenstadt einen lupenreinen Steigerungslauf hin. Über die wellige Landstraße „rollten“ wir in Richtung, scherzten und lachten viel und genossen die tolle Atmosphäre in unserer Gruppe und die Dynamik der Situation – auch wenn ich nach 25 Kilometern aus Vernunft dem Verlangen meines schmerzenden Zehs nachkam und genau dann ausstieg, als wir „Mocki“ eingeholt hatten.
Diese musste nach ihrem 10.000-Meter Vizetitel vom Vortrag ebenfalls kürzer treten und fand sich neben mir am Straßenrand beim Warten auf „Catcher Car“ und Rücktransport wieder. Während uns die nachfolgenden Läufer mit immer noch bester Laune passierten, hatten wir Gelegenheit zu reden. Sabrina beeindruckte mich mit einer unerwarteten Offenheit und zeigte, dass sie nicht nur eine professionelle Sportlerin ist, sondern vor allem auch Mensch. Oftmals wird sie in den Medien zu sehr auf die rheinische Frohnatur reduziert, dabei ist sie viel tiefgründiger als dieses Bild vermittelt, vor allem aber sehr sympathisch auf persönlicher Ebene.

Zurück im Eventbereich in der Darmstädter Innenstadt traf ich wieder auf Tom, der übermüdet und gezeichnet von einer Hochzeitseinladung dennoch souverän bis zur vom Marathon bekannten „Hammermann-Distanz“ lief.

Gib niemals auf!

Der Wings For Life World Run stand vor allem für eines: Hoffnung! Hoffnung auf Heilung, auf Besserung. Tausende Läufer, die Organisatoren und auch die beteiligten Querschnittsgelähmten glauben daran, dass der medizinische Fortschritt irgendwann in nicht allzu weiter Zukunft etwas heilen kann, was noch als unheilbar gilt. Das ändert auch meine Sichtweise auf meine vergleichsweise kleinen Baustellen: Auch wenn ich mir den Weg in diesem Sommer anders ausgemalt habe, so wird für mich es einen Weg geben.
Mein nächster Bericht wird also hoffentlich von Besserung und erfolgreichem Training in Südtirol handeln, frei nach dem Motto: Kopf hoch, Prinzessin, sonst fällt die Krone runter!

PS: Mehr Bilder vom Wings for Life World Run in Darmstadt gibt es auf Laufen.de


Bilder: Dominik Briselat

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