Das Team Alpecin beim Amstel Gold Race 2015

15.000 Starter, 6 verschiedene Streckenvariationen mit Distanzen von 60 bis 240 Kilometer, jede Menge Zuschauer an der Strecke und ein riesen Spektakel in Valkenburg (Niederlande)! All das bietet das Jedermannrennen des Amstel Gold Race und das Team Alpecin ist mittendrin.
Der Start
Wir formierten uns gegen 7.30 Uhr am Startbogen, bei sehr kühlen 2 Grad Celsius und Frühjahrsklassiker untypischen Sonnenschein und blauem Himmel, in Valkenburg. Nachdem die Windjacken abgelegt und die Trikottaschen nochmal mit allerlei Süßem und Bananen gefüllt wurden, hieß es 15 Minuten später: „GO GO GO!!!“.
Jörg Ludewig (Teamleiter) und Udo Tanger (ebenfalls Teamfahrer 2015) spielten die Ausreißer Gruppe und machten Druck vom Start an und ich habe die beiden während des ganzen Rennens nicht mehr gesehen. Matthias Bröker, Torsten Rimkus und ich blieben vom Start an zusammen. Nach den ersten überraschenden, kurzen, knackigen Anstiegen haben die Schweißperlen auf der Stirn nicht lange auf sich warten lassen. Die Kälte war gewichen und uns drei wurde bewusst, dass das noch harte Arbeit werden würde.


Tourfeeling auf der gesamten Strecke
Immer wieder ging es hoch und runter, dazwischen gibt es viele Passagen in offenen, flachen Feldern wo der immer stärker einsetzende, Wind extra Körner kostet, aber da wir zu dritt im Feld unterwegs waren haben wir uns mit der Führungsarbeit abgewechselt. Stets ging der kontrollierende Blick Richtung Wattmesser, denn wir haben versucht in den flachen Passagen unter unserem Schwellenbereich zu bleiben, also nicht dauerhaft über 220-240 Watt zu treten. So konnten wir sicher gehen, dass wir an den Anstiegen noch genügend Körner in den Beinen haben, um zügig hochzufahren.
Was für uns „zügig“ im Vergleich zu den Profis bedeutet macht ein Blick auf die Leistungsdaten am berüchtigtem Keutenberg (9% im Mittel, 22% am steilsten Stück) klar: meine Zeit am ersten Teil des Berges liegt bei 2:15 Min. Kwiatkowskis Daten wirken hierzu wie aus einer anderen Welt: er bewältigte die Wand in 1:25 Min  auf einem so kurzen Stück ist das eine Menge Holz. Diese steilen, kurzen Wände lassen das Laktat sofort in den Oberschenkel schießen und machen einen auf die Distanz unglaublich mürbe und das Limburger Land bietet viel davon. So freuten wir uns über die unglaublich vielen campierenden Fans die auch die Jedermänner mit „Allez Allez Allez“ rufen über die „Heuvel“ gepusht haben, so kam echtes „Tourfeeling“ auf.


Das Ziel war in greifbarer Nähe
In den flachen Passagen machten wir ordentlich Druck. Immer wieder abwechselnd im Wind, bei oftmals mehr als 40 km/h auf den schmalen Feldwegen durch ein wunderschönes Landschaftspanorama, dabei blieben Jung- und Alt stets fair auf der Strecke und machten den Schnelleren Platz oder boten den Schwächeren auch mal Windschatten und so näherten wir uns in der Mittagssonne und mit gut 130 km auf der Uhr langsam wieder Valkenburg, dem Start- und Zielort.


Der Zieleinlauf
Nach einer kurzen schnellen Abfahrt und einer steilen Linkskurve im Ortskern, zeigt sich der Cauberg, der letzte Berg ca. 2 Kilometer vor dem Zieleinlauf. Begleitet von vielen Anfeuerungsrufen aus den vielen Straßencafes und Restaurants werden hier hoch nun die letzten Körner im Wiegetritt verbraten. Oben angekommen, zieht sich eine lange Rechtskurve und dann geht es auf die lange Zielgerade. Laute Musik, viele Fans, super Stimmung begleiten mich während ich nach knapp 5h 20 Min und ca. 2000 Hm durch den Torbogen rolle. Am nächsten Tag wird Kwiatkowski hier mit 250 Kilometer in den Beinen und nach einem harten Kampf den Zielsprint gewinnen. Er brauchte hierfür lediglich: 6h 32 Min hat dabei knapp 3700 Hm überwunden – eine andere Welt, gerade wenn man weiß, wie sich die Strecke einen Tag zuvor in den Beinen angefühlt hat.
Im Ziel warten Jörg und Udo, die Ausreißer, auf uns drei Nachzügler und so stoßen wir bei einem eisgekühlten Amstel und mit einer Medaille um den Hals auf das Geleistete und die super Veranstaltung an.

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