Das kleine Freeride-Ski 1x1 - „Darf’s noch etwas breiter sein?“

Die Geschichte des Freeride Ski ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Naja, so schlimm ist es nicht, aber trotzdem sollte man wissen, dass es nicht nur um die Breite geht. „Ein 130er directional TwinTip in 185, mit Mid - Camber, Tip und Tail Rocker plus Taper und einem 21.5er Radius“- So würde ich meinen aktuellen Lieblingsski beschreiben. Wer jetzt schon aufgegeben hat, dem rate ich: durchhalten! Denn all die Freeride Begriffe und was für euch am besten sein könnte, will ich im Folgenden erklären.

Zugegeben, die Idee ist vom Snowboarden geklaut...

Warum brauchen wir überhaupt einen extra Ski zum Powdern? Der Grund ist einfach erklärt: Wir wollen durch den Powder surfen, besser gesagt, AUF dem Powder! Das funktioniert am besten, indem wir entweder schnell fahren, also z.B. auf steilen Hängen, oder die Fläche der Ski erhöhen. Als wir erkannt haben, warum Snowboarder mit der breiten Unterlage so viel Spaß abseits der Piste haben, war klar: die Skier müssen breiter werden.

Mit den Jahren ging die Entwicklung voran und die Ski bekamen noch einige Finessen. Rocker, Shape und die Taillierung sind Eigenschaften, die den Ski ausmachen.

Die Breite und Taillierung

Wenn man von der Breite spricht, dann ist meistens die Mittelbreite gemeint. Das bedeutet: Wie viel Millimeter misst der Ski an der schmalsten Stelle in der Skimitte. All Mountain Freeride-Ski fangen ungefähr zwischen 90 und 100 mm an und können bis über 130 mm gehen. Die gemessene Breite vorne (Tip) und hinten (Tail) im Verhältnis zur Mittelbreite ergeben den Radius. Tendenziell werden für Big Mountain mit eher schnellen und direkten Linien größere Radien gewählt, für Backcountry- oder All Mountain Ski eher engere Radien.

Der Taper

Zur Taillierung gehört seit kurzem auch noch der Taper. Ein klassischer Ski hat seine breitesten Stellen am Anfang und am Ende des Skis. Freeride Latten mit einem Taper haben die breiteste Stelle am „Tip“ (der Skispitze) etwas nach hinten versetzt sowie am „Tail“ (das Skiende) nach vorne versetzt.

Zum einen spart das Gewicht, zum anderen verkürzt es die effektive Kantenlänge und lässt die 185cm langen Ski wie einen 165cm langen Ski fahren. Weil die breiteste Stelle näher an der Skimitte liegt, bekommt man außerdem schneller Auftrieb. Ski mit Taper lassen sich, wenn sie nicht allzu breit sind, super auf der Piste carven.


Der Camber und der Rocker

Der Camber: Wenn man einen klassischen Ski auf den Boden legt und von der Seite darauf schaut, dann sieht man, dass der Ski an Tip und Tail aufliegt und in der Mitte Abstand zum Boden hat. Man spricht hier vom Camber oder der Vorspannung, die dem Ski Laufruhe und Stabilität bringt.
Der Rocker: Vor ein paar Jahren kamen dann Skier mit negativer Vorspannung auf den Markt. Was bedeutet: die einzige Auflagefläche ist in der Mitte. Viele sprechen hier schon vom berühmten Rocker. Der Ski wirkt auf den ersten Blick wie gestaucht.
Um die Stabilität und Laufruhe nicht zu verlieren, gingen viele Firmen wieder davon weg, setzten den klassischen Camber wieder ein und versetzten durch einfaches Aufbiegen die Auflagepunkte der Ski näher zur Skimitte. Der Sinn und Zweck ist einleuchtend: Früher aufgebogen, bringt der Ski früher und schneller den Auftrieb, den man sich wünscht. Für andere ist das der eigentliche Rocker. Teilweise wird das Rocker Konzept nur vorne, also am Tip, eingesetzt. Auch bei normalen Pistenski im Einsatz verspricht der Rocker mehr Drehfreudigkeit.

Material, Biegung und natürlich: der Längenvergleich

…dann waren da ja auch noch die üblichen Eigenschaften der Ski. Wie sind sie gebaut, welche Materialien wurden verwendet und wie flexibel, also weich oder hart, ist der Ski? Dabei muss man bedenken, dass der Ski auch einen harten Camber und einen weichen Rocker haben kann. Ist der Ski nur am Tip hochgebogen oder auch am Tail, um auch mal rückwärts zu fahren oder zu landen? Wie leicht ist der Ski und will ich damit auch Touren gehen? Dort entscheiden Einsatzgebiet, Geschmack und der sportliche Charakter des Fahrers.


Die richtige Länge: Natürlich ist die Länge der Ski noch entscheidend, aber das ist von der Größe und dem Gewicht abhängig. Es gibt verschiedene Orientierungsmöglichkeiten – für Männer niemals unter 180 cm ist die eine, mindestens 10 cm über Körpergröße eine andere. Für Frauen entsprechend 170 cm oder mindestens 5 cm über Körpergröße. Das kann aber nur eine Orientierung sein und ersetzt nicht die Beratung im Sportgeschäft.

Powder Hike, Freestyle
 oder Big Mountain? Der richtige Ski für die richtige Action

Bei der Entscheidung für einen Ski empfehle ich immer, ehrlich zu sich und seinem Können zu sein. Um euch eine kleine Hilfestellung zu geben, hier ein paar Beispiele:

Die ersten Versuche oder größere Touren
:

Wer die ersten Versuche im Tiefschnee wagen will, sollte sich einen Ski zwischen 90 und 105 mm Breite anschauen. Ein Ski, der einen klassischen Camber und eine klassische Taillierung hat, oder einen Tip Rocker und Taper. Für Freeride - Touren ist ein flaches Tail besser geeignet, da sich die Felle besser befestigen lassen. 

Powder Hike und kleinere Touren:

Hier kommen Ski zwischen 100 bis 115 mm Breite in Frage. Die Ski mit Tip / Tail Rocker und mit einem Taper sind die perfekten Ski für alle, die im Skigebiet den Powder suchen und auch mal den Ski auf die Schultern nehmen, um eine Line zu erwischen, die nicht mit dem Lift erreichbar ist. Die Ski sind auch für größere Powder-Abenteuer bestens geeignet.

Steil, eng, Direttissima - Big Mountain

Für steile und schnelle Abfahrten empfehlen sich Ski mit ungefähr 115 mm Mittelbreite, die eher hart, mit wenig Rocker und klassischem Camber sind. Die Ski haben durch ihre Eigenschaft, wie z.B. Taillierung, eine vorgegebene Richtung. Tiefe, hohe, weite Sprünge werden gut abgefedert und sind oft über 190cm lang. Man spricht auch von den Rennski des Freeridens.

Freestyle und Backcountry:

Enge Kurven, „Treeruns“ und Tricks über „Pillows“? Non-directional Ski, also Ski, die durch ihre Taillierung nicht unbedingt eine Richtung vorgegeben haben, mit einer Breite von bis zu 130 mm kommen hier ins Spiel. Die Bindung ist nah an der Ski-Mitte montiert. Hier kommt alles zum Einsatz: Taper, Rocker und Twintip.

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