Auf den Spuren des Schneeleoparden Teil 2 – Wandern im Ala Archa Nationalpark bei Bishkek, Kirgis…

Hier geht’s zu Teil 1 der Ala Archa Wanderung
Die hohe Kunst: einen schönen Schlafplatz finden
Etwas unterhalb der Hütte ist die Landschaft sehr schön: hier hat der Gletscher einen schmalen grasbewachsenen Streifen verschont, auf dem es sich im Schatten der Moräne komfortabel biwakiert, Premium-Aussicht natürlich inklusive. Neben uns lassen sich drei Australier nieder, die von hier aus in den kommenden Tagen die umliegenden Gipfel erklettern wollen. Vor allem der Peak Free Korea (4.740m) und der Korona Peak (4.860m) ziehen Bergsteiger aus aller Welt an, die das alpine Abenteuer jenseits hochfrequentierter Standardrouten in Europa oder Nordamerika suchen. Sie müssen sich den kirgisischen Granit nur mit den heimischen Steinböcken teilen, die immer wieder über die umliegenden Felskanten lugen und auch uns beim abendlichen Gaskochermenü mit Tee und zweierlei Nudelsuppen beobachten.


Fotoprojekt bei Vollmond
Dann geht der Vollmond auf, schiebt sich zügig über die Bergrücken und gießt sein silbernes Licht in die Moräne und über die gegenüberliegenden Wände. Er scheint so hell, dass selbst die Milchstraße am superklaren Himmel verblasst und unsere langzeitbelichteten Fotos aussehen, als hätten wir sie am helllichten Tag aufgenommen. Dafür glitzert nun magisch die Gletscherzunge und die surreale Atmosphäre zieht uns in ihren Bann. Aber irgendwann ist die Kälte stärker und gefühlte neun Minusgrade treiben uns zurück in unser Zelt und in den daunengefederten Schlafsackschlaf.


Abstieg mit Begleitung
Am nächsten Morgen versengt die Sonne schnell die Kälte der Nacht. Wir holen Wasser am Gletscherbach, genießen ein Apfel-Zimt-Oatmeal und erkunden noch ein wenig die nähere Umgebung. Mittags gilt es dann, auf dem bekannten Weg abzusteigen und die Schönheit der Natur in umgekehrter Richtung zu genießen. Durch fallende Steine werden wir auf eine Herde Steinböcke aufmerksam, die hoch oben auf der Steilwand herumspazieren und uns Wanderer misstrauisch beäugen. Als wir dreieinhalb Stunden später und 1.300 Höhenmeter tiefer wieder an der rostigen Schranke ankommen, bleibt gerade noch Zeit für eine Schneeleoparden-Gedenkminute – dann fährt tatsächlich unser Fahrer mit seinem klapprigen SUV vor. Wenn er Englisch verstünde oder wir Russisch sprächen, würde er uns jetzt vielleicht erzählen, dass die Einheimischen den Schneeleoparden auch „Geist der Berge“ nennen und man den vielfarbigen Wachholder nicht zu nah an seinem Haus pflanzen soll, da er – laut Legende – den Bewohnern sonst die Lebenskraft aussauge. Seltsam, dass Sprachbarrieren manchmal unüberwindbarer sind als schneebedeckte Berge.


Fazit: Ideale Warm-Up-Wanderung für Kirgistan-Ankömmlinge! Spektakuläre Landschaft, grandiose Ausblicke und hochalpines Berggefühl in bequemer Reichweite der Hauptstadt. Die Tour lässt sich natürlich auch beliebig ausdehnen und mit Gipfelbegehungen kombinieren – oder aber als recht sportliche Tagestour machen, wobei der Genuss auf der Strecke bleiben dürfte. Unbedingt ausreichend Proviant, Zelt und warme Schlafsäcke mitnehmen, weil die Nächte in über 3.000 Meter Höhe unangenehm kalt werden und immer auch mit Schnee zu rechnen ist. Beste Trekking-Zeit ist August bis Mitte September, dann hat man die Berge im Nationalpark fast für sich allein. Anreise von Bishkek mit dem Taxi (ca. 15 Euro) oder mit dem Mashrutka-Minibus (ca. 2 Euro), der am Osh-Bazar losfährt und etwas länger braucht.  

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