Ann-Kathrin Lindner: Alltag eines Profi-Golfers

In diesem Artikel werde ich euch meinen Alltag als berufstätige Nationalspielerin beschreiben. Vorab müsst ihr wissen, dass wir Nationalspieler, so wie jeder Golfer, normale „Amateure“ sind, sprich, wir verdienen kein Geld mit dem Sport. Mein Status wird von Kollegen und in Golffachkreisen gerne „Playing Amateur“ genannt, denn im Grunde spiele ich genau so viel wie Playing Professionals (Profigolfer), nur verdiene ich mein Geld mit meiner Arbeit im Golfclub. Als einzige von neun Damen-Nationalspielerinnen (ab 18 Jahre) bin ich nebenbei berufstätig. Der Rest geht entweder noch zur Schule, studiert oder spielt eben nur Golf. Ich kann mich glücklich schätzen, dass der Golf Club St. Leon-Rot mich nicht nur sportlich fördert, sondern es mir auch ermöglicht, Berufserfahrung zu sammeln und mich für alle Turniere und Lehrgänge der National- und Clubmannschaft freistellt.
Alltag im Golf Club St. Leon-Rot
Im Golf Club St. Leon-Rot besteht mein Tag aus Büroarbeit und Training. Im Büro erledige ich zwischen meinen Trainingseinheiten unterschiedliche Aufgaben für die Mitgliederbetreuung und die Leistungssportkoordination. Die Zeiten kann ich mir meistens selbstständig einteilen. Ich sehe die Arbeit im Club als perfekten Ausgleich zum Training und andersrum. Über den Tag verteilt feile ich ca. fünf Stunden an meinem Golfspiel und mache ein bis zwei Stunden Fitness. In der Summe bin ich dann ca. 11 Stunden pro Tag im Golf Club. Am liebsten verbringe ich danach noch Zeit mit Freunden und Kollegen, meistens grillen wir bei mir auf der Terrasse oder gehen noch etwas essen.
 
Lehrgänge mit der Nationalmannschaft
Trainingslehrgänge kommen überwiegend im Winter vor. Im Gegensatz zu den südlicher liegenden Nationen ist Deutschland etwas im Nachteil. Die Turniersaison kann witterungsbedingt hierzulande erst im April starten und geht dann maximal bis Oktober. Um die Wintermonate zu überbrücken, fliegen wir regelmäßig zum Training in den Süden. In den letzten drei Jahren waren wir im November und Februar jeweils acht Tage in Amerika, im Dezember und Januar ca. fünf Tage auf Mallorca und zudem nutzen wir die ersten internationalen Turniere Anfang des Jahres noch als Vorbereitung. Dort trainieren wir also auch intensiv und legen weniger Wert auf die Ergebnisse.
Eine riesige Unterstützung ist zudem das Allianz Golf Arena Indoor Short Game Center of Excellence des Golf Club St. Leon-Rot, eine Indoor-Anlage, in der man auf einer ca. 1.700 qm² großen Kunstrasenfläche speziell das kurze Spiel trainieren kann, egal ob es draußen regnet oder schneit. Da der Deutsche Golf Verband eine Kooperation mit dem Golf Club St. Leon-Rot pflegt und die Anlage als Trainingsstützpunkt nutzt, werden hier regelmäßig Trainingstage mit den Nationaltrainern durchgeführt. Zum Trainerkreis gehören zwei Techniktrainer, eine Physiotherapeutin, ein Psychologe und ein Athletiktrainer. Fitness bzw. Athletik ist im Golf zu einem enorm wichtigen Part geworden. Unser Training besteht mittlerweile bis zu 40% aus Kraft- und Athletiktraining. Vorteile sind z.B. Länge der Schläge, Steigerung der Konzentrationsfähigkeit und Verkürzung der Regenerationszeit zwischen den Turnieren.
Über das Training und die Wettkämpfe berichte ich genauer in meinem nächsten Artikel!
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