André Schürrle: Der Wille als Weg zur Motivation im Sport

Heute möchte ich mal nicht aus meinem Alltag im Training oder der Nationalmannschaft schreiben, sondern etwas mehr über eine der Grundvoraussetzungen für Erfolg im Leistungssport, aber auch in anderen Berufen: Wille.
 
Erfolg kommt nie von alleine. Ohne die nötige Motivation im Sport wird man sich nicht verbessern und nicht weiterentwickeln. Im Leben eines Fußballers gibt es sehr viele Dinge, die einen anspornen. Ich denke, dass der größte Ansporn die Aussicht auf Spiele und Einsätze ist, gerade hier hole ich mir das Selbstvertrauen. Der Applaus der Fans, gelungene Aktionen, Tore – das alles treibt mich an.
 

Den unbedingten Willen kriegt man nicht in die Wiege gelegt. Man lernt von anderen, bekommt die Richtung aufgezeigt und sieht zu Trainern oder Eltern auf, die einem die nötige Hilfestellung geben. Natürlich war Fußball immer meine Leidenschaft, auch als ich noch ein kleiner Knirps war. Wenn man dann merkt, dass sich durch eigene Arbeit die Dinge entwickeln, dann entsteht auch der Wille, immer weiter zu machen.
 
Das wichtigste ist der Glaube an sich und die eigene Stärke, wobei man oft auf einem schmalen Grat wandert, da man auch lernen muss, sich zurückzunehmen, da man nichts erzwingen kann. Ich denke, dass es eine gewisse Demut benötigt, um auf der Spur zu bleiben. Du musst immer weiter an dir arbeiten, Ziele hinterfragen und Dinge ansprechen, statt diese im stillen Kämmerchen alleine mit dir auszubrüten.
 
Ohne die Unterstützung durch das Umfeld geht gar nichts. Vom Trainer und dem Umfeld im Verein sowie der Nationalmannschaft angefangen, über meine Eltern, die ganz wichtige Bezugspersonen sind, bis zu Freunden und Vertrauenspersonen – ich habe glücklicherweise sehr viele Anlaufstellen. Diese Personen sind auch da, wenn der Wille zu groß wird, wenn man zu viel auf einmal möchte oder einen steilen Lauf immer weiter toppen will. Da braucht man eben auch jemanden, der einen bremst und hilft, die richtigen Schritte nacheinander zu machen.
 
Bestes Beispiel hierfür ist die Europameisterschaft 2012. Ich war häufig nur Einwechselspieler, was für jeden Fußballer schwer ist, weil man ja immer spielen will. Aber auch dank meines Umfeldes, dank Jogi Löw, der jedem Spieler die Wertschätzung entgegen bringt, anspornt, lobt und tadelt, habe ich zu akzeptieren gelernt, das Ziel vor das eigene Ego zu stellen. Wichtig ist es, auf den Punkt fit zu sein und sich als Alternative anzubieten und aufzudrängen.
 
Man sollte seine Motivation im Sport jedenfalls nie durch Niederlagen brechen lassen. Zum Gewinnen gehört auch die Erfahrung, Spiele zu verlieren, so wie mit der DFB-Elf bei der Europameisterschaft. Man ist verärgert, das ist klar, aber man schaut dann nach vorne, um das Ziel das nächste Mal zu erreichen. Mein Ziel mit Bayer Leverkusen ist es jedenfalls, einen guten Start hinzulegen, an die letzten Spiele der abgelaufenen Saison anzuknüpfen und mich mit meinem Team entsprechend unserem Potenzial erheblich zu steigern.
 
Also, verliert euer Ziel auch nicht aus den Augen!
 
Euer André

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