Alles über Funktionsshirts: Wolle oder Synthetik?

Wenn ich mit Freunden zum Wandern gehe, gibt es immer einige, die noch normale Baumwoll-T-Shirts und Tops tragen und sich wundern, wenn ihnen nach dem Schwitzen beim Abstieg unangenehm kalt wird, oder das Shirt selbst nach einer Nacht auf der Hütte noch nicht trocken ist. Für mich gehört Funktionsbekleidung mittlerweile mit zum wichtigsten Ausrüstungsgegenstand und daher ist gute Qualität essentiell.
Die Qual der Wahl: Wolle oder Synthetik?
Heutzutage gibt es eine große Auswahl an Funktionsbekleidung, das war vor 20 Jahren noch ganz anders. Und noch ein Pluspunkt: Das Zeug schaut auch richtig gut aus! Unterwäsche wie von Ortovox kann sich auch drüber gut sehen lassen. Ich unterscheide bei einem Funktionsshirt gar nicht mehr zwischen Winter und Sommer – im Winter kommt einfach eine Fleecejacke und noch andere Schichten drüber, und fertig. Die alte Frage, an der sich die Geister scheiden, bleibt jedoch: Wolle oder Synthetikmaterial?
Merino auch im Sommer?
Wolle hat oft mit dem Klischee zu kämpfen, dass das Material zu heiß ist für sportliche Aktivitäten. Außerdem denkt man bei Wolle unterbewusst, dass der Stoff kratzig ist und unangenehm reibt. Die Funktionsshirts haben allerdings nichts mit dem kratzigen Wollpulli im Schrank gemeinsam, heutzutage ist das Material so fein verarbeitet, dass es sich sehr angenehm anfühlt auf der Haut.

Besonders hervorgetan hat sich die Merinowolle, sie stammt vom Merino-Schaf aus Neuseeland, welches Temperaturen zwischen -20° und 35° standhalten muss. Merinoshirts sind also durchaus auch etwas für den Sommer! Von Merino-Spezialisten wie Ortovox oder Icebreaker gibt es sogar spezielle „Merino Cool“ Unterwäsche, die aus einem Merino-Tencel Gemisch besteht und einen leicht kühlenden Effekt besitzt. Generell kann man aber schon sagen, dass das Wollmaterial eher wärmend ist, also vor allem geeignet für Menschen mit kältesensiblem Temperaturempfinden – sprich Frauen!
Das mit der Kratzigkeit ist zugegeben relativ. Hier spürt man große Unterschiede zwischen einem billig-Merinoshirt und einem teureren, qualitativ hochwertigen Material. Eine Investition lohnt sich also! Ich mag es, wenn die Merinowäsche nicht allzu eng auf der Haut aufliegt, dann tragen auch die Nähte nicht so sehr auf.
Merino müffelt nicht!
Der größte Pluspunkt – und das ist wirklich ein Totschlagargument – ist die geruchsneutralisierende Wirkung des Materials. Auch nach mehrtägigem Tragen müffelt Merino kaum, egal wie sehr man schwitzt. Gerade bei Trekkingtouren oder Hüttenwanderungen besteht daher meine halbe Garderobe aus Merino – von der Unterwäsche und Socken über Shirts bis zur Isolationsjacke – dann braucht man nicht so viele Wechselklamotten mitzuschleppen. Sind die Merinoklamotten jedoch mal so richtig durchgeschwitzt, brauchen sie recht lange zum Trocknen.
Synthetik kühlt

Für Hitzköpfe oder kurze, anstrengende Touren sind Synthetikshirts eine gute Wahl. Der kühlende Effekt kommt durch eine schnelle Verteilung der Feuchtigkeit und daher schnelle Verdunstung zustande. Bei Synthetikshirts ist es also besser, ein enganliegenderes Modell zu wählen. Shirts mit Bodymapping, also unterschiedlich starken Zonen, unterstützen diesen Effekt.
Ein weiterer Vorteil ist, dass die Synthetikshirts extrem schnell trocknen, das haben sie der Wollunterwäsche voraus. Das kann bei mehrtägigen Touren auch praktisch sein – vorausgesetzt man nimmt ein Handwaschmittel mit. Sie sind außerdem leicht, anschmiegsam und fühlen sich schön weich auf der Haut an.
In einem Punkt steht Synthetik der Wolle noch nach: Sie fangen extrem schnell an zu müffeln. Ich habe sogar teilweise das Problem, dass sie nach dem Waschen bei 30° - heißer geht ja nicht – immernoch riechen.
Mein Fazit: das passende Material für den jeweiligen Sport wählen

Die Synthetikshirts nehme ich vor allem fürs Fitnessstudio oder die Joggingrunde, aber auch kürzere Tagestouren im Sommer. Die Merinoshirts und -unterwäsche kommen dagegen bei allen größeren Wander- und Trekkingtouren zum Einsatz, vor allem bei mehrtägigen Geschichten und natürlich im Winter als Unterwäsche bei Schneeschuhtouren, Skitouren und beim Skifahren.
Einzige Ausnahme sind bei mir die Leggins, da muss es schon besonders gutes Wollmaterial sein, sonst kratzt das unangenehm an den Oberschenkeln und in den Kniekehlen. Daher: probiert euch durch, aber gebt Merino auf jeden Fall eine Chance, auch wenn die Preise manchmal zunächst abschreckend wirken mögen – sie sind es wert, versprochen!

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