Adrenalin - Ausdauer und Action!

Die Geburtsstunde des Mountainbikes war in den frühen siebziger Jahren, als kalifornische Fahrradfreaks, rund um Gary Fisher, Stollenreifen an alte Fahrräder montierten und damit die Berge hinunter rasten. 1976 gab es erste Mountainbike – Rennen in Kalifornien, seit 1996 ist das Cross - Country Format eine olympische Sportdisziplin. Nicht nur die Wettkampf-Formen haben sich verändert, auch das Material ist in seiner Entwicklung immer weiter voran geschritten.
Was passiert im Fahrerlager? Welche Gedanken habe ich, wenn ich mit Puls 180 von den Zuschauern den Berg hoch bejubelt werde? Wie wähle ich mein Material für den Wettkampf aus?
Ich möchte Euch einen Einblick in die Welt des Mountainbike Cross – Country Sports geben, Euch an die Startlinie holen und zeigen, was seit den Anfängen alles passiert ist.
Mein „Baby“ – Das Wettkampfbike


Eine Grundvoraussetzung für gute Resultate bei einem Wettkampf ist hochwertiges und leichtes Material.
Ich kann mich gut daran erinnern, als ich mit dem Mountainbikesport begonnen habe: sobald es anfing zu regnen, quietschten die Felgenbremsen und die Bremsleistung sank Richtung Null.
Als die Scheibenbremsen auf den Markt kamen, war das eine Revolution. Endlich konnte man auch bei Nässe Performance von seinen Bremsen erwarten und sicher die Abfahrten runtersteuern. Die Geländegängigkeit wird enorm verbessert durch eine gut funktionierende Federgabel. Hierbei setze ich lieber auf zuverlässige Funktion und nicht nur auf absoluten Leichtbau.
Aluminium, Carbon oder doch Titan?
Natürlich ist im Renneinsatz das Gewicht des Bikes enorm wichtig. Im Profi-Bereich wird jedes Jahr versucht, die Grenze des Machbaren weiter nach oben zu schrauben und die Mountainbikes noch leichter zu machen. Doch das ist ein schmaler Grad. Wer zu viel riskiert, kann schnell einen technischen Defekt erleiden und macht sich so wiederum alle Siegchancen kaputt. Inzwischen ist ein Rahmen aus Carbon an der Startlinie normal. Dieses Material vereint gute Steifigkeitswerte, leichtes Gewicht und schönes Design. Titan und Aluminium sieht man inzwischen kaum mehr.
Go Big or Go Home?
Die Skepsis war riesengroß. Kann man so große Räder überhaupt flink um die Kurven steuern und halten diese die enormen Belastungen im Gelände aus? Inzwischen ist klar: Wer im Mountainbike-Sport schnell sein will, muss auf 29 Zoll oder 27,5 Zoll

Reifen unterwegs sein. Und dies nicht nur, weil man pro Kurbelumdrehung weiter rollt, sondern die Räder auch in den Abfahrten mehr Sicherheit vermitteln. Heutzutage muss ich ein kompletter Rennfahrer sein, denn die Rennstrecken werden technisch immer anspruchsvoller. Früher wurde ein Rundkurs auf der grünen Wiese abgesteckt. Heute werden künstlich spektakuläre Strecken gebaut, die dem Zuschauer eine tolle Show bieten sollen. Absätze, Steinfelder oder große Sprünge gehören zum „guten Ton“.
Ich bin ein Freund von technisch anspruchsvollen Strecken und liebe die Herausforderung. Jedoch ist das immer ein schmaler Grad zwischen „technisch sehr anspruchsvoll“ und „nicht mehr fahrbar“. Beim ersten Worldcup der Saison 2013 in Albstadt bezeichneten viele Fahrer die Strecke schon im Voraus als die „technisch-anspruchsvollste“ der Welt. Und dann das: 30 Minuten vor dem Start fing es heftig an zu regnen. Die Strecke verwandelte sich in wenigen Minuten zu einer einzigen Rutschpartie. Dazu lasse ich aber einfach Bilder sprechen. Schaut Euch folgendes Video dazu an.
Endlich kann es los gehen!
Nach dem Massenstart geht es beim Cross - Country Sport auf einen Rundkurs (ca. 3 - 6 km lang & 80 – 200 Höhenmeter pro Runde) den wir mehrmals abfahren. In den letzten Jahren wurde die Renndauer kontinuierlich verkürzt. Früher waren zwei Stunden und mehr keine Seltenheit. Inzwischen ist man bei einer Renndauer von 1:30 Stunden angekommen. Gut wie ich finde! Denn umso kürzer die Rennen sind, umso interessanter und spannender sind diese für die Zus

chauer. Die Abstände zwischen den Fahrern sind gering und es gibt viele Positionswechsel.
Die letzte Runde
Wenn ich mich nach 1:15 Stunden ein letztes Mal den Berg hochpushe und versuche zum Konkurrenten aufzufahren oder meinen Vorsprung auszubauen, bin ich im absoluten „Kampf“ Modus. Man denkt nicht viel nach, pusht sich und ist froh wenn es in die letzte Abfahrt geht :).
Während dem Rennen sind Infos wie z.B. Abstände und Position enorm wichtig, um sich einen Überblick über das Rennen zu verschaffen. Diese erhalte ich am Streckenrand von meinen Betreuern und in der Feed - Zone. Dort werden mir zusätzlich neue Getränke gereicht, sodass ich immer optimal versorgt bin.
Das Feeling danach
Nach dieser Rennbelastung von 1:30 Stunden und einem durchschnittlichem Puls von 180 ist man froh, unter der Dusche zu stehen. Zuvor fährt man sich auf dem Ergometer locker aus und versucht so die Regenerationszeit zu verkürzen. Und nun stellt sich bei mir mein „Happy-Feeling“ ein. Ich bin froh, wieder einen Wettkampf geschafft zu haben, nicht gestürzt zu sein und vielleicht sogar ganz oben auf dem Podest zu stehen. Am Ende des Tages ist aber klar – Ausruhen zählt nicht, denn am darauf folgenden Wochenende steht bestimmt der nächste Wettkampf an.
Ride on!
Euer Marcel

Newsletter