3.964 Höhenmeter bis zum Tochal Gipfel - meine Tour im Iran - Teil 1


Viele von euch werden sich fragen: gibt es in Teheran im Iran wirklich Berge? Die Antwortet lautet: Ohja, sogar sehr hohe Berge mit viel Schnee! Ich war auf meiner letzten Wandertour in der nördlichen Gebirskette Alborz unterwegs zum Tochal Gipfel. 3.964 Meter galt es zu bezwingen. In diesem Artikel erzähle ich euch, wie man solch ein extremes Abenteuer am besten plant. Im zweiten Teil nehme ich euch zu meiner Vorbereitung und dem Aufstieg an sich mit.
Wieso überhaupt Teheran?
Ursprünglich komme ich aus dem Teheran, meine Eltern leben immer noch direkt am Fuße des Alborz Gebirges. Unser Wohnort liegt bei 1430 Metern über den Meeresspiegel, wodurch ich schon als kleiner Junge sehr gute Kondition im hochgelegenen Gelände sammeln konnte.
Seit sechs Jahren ist Mannheim meine Heimat. Hier leben wir bei etwa 97 Metern über dem Meeresspiegel, nicht zu vergleichen also mit den Bedingungen im Iran. Somit musste ich mich konditionell für meine Bergtour vorbereiten und es war sehr wichtig, meinen Körper zu akklimatisieren.

Eine Erkältung kann alles zerstören
Dieses Jahr hatte ich ursprünglich eine Bergtour auf den höchsten Vulkan Asiens mit einer Höhe von 5610 Metern geplant. Der Damavand liegt 70 Kilometer nordöstlich von Teheran. Das Faszinierende an diesem Berg ist nicht nur die Kegelform, sondern auch der durchgängige Höhenunterschied vom Fuß des Berges bis zum Gipfel von etwa 4700 Meter.
Die Freude und Anspannung für den lang ersehnten Aufstieg wurde während meiner Akklimatisierungsphase immer größer. Doch kurz vor meinem geplanten Aufstiegstag wurde die Freude durch eine Erkältung zerstört. Da sich das Höhenprofil unmittelbar auf den menschlichen Körper auswirkt, und auch die klimatologischen Verhältnisse nicht unterschätzt werden dürfen, hat bei mir die Vernunft gesiegt. Niedergeschlagen musste ich meinen Plan, den Vulkan Damavand zu besteigen, um ein Jahr verschieben.
Da ich nicht ganz ohne einen Erfolg nach Deutschland zurückreisen wollte, habe ich mir als neue Herausforderung nach meiner Genesung ein mir bekanntes Ziel gesetzt. Ich bin auf den Berg Tochal gestiegen und mein Vorhaben war, dass ich meine persönliche Bestzeit der letzten Jahre unterbiete.

Die richtige Analyse ist das A und O
Vor einer Bergtour sollte man sich reichlich Gedanken machen und sich auf jeden Fall Experten-Rat einholen. Ich habe mir zusätzlich einige Fragen gestellt, die später mit der Berücksichtigung vom Höhenprofil beantwortet wurden. Basierend auf diesen Überlegungen habe ich meine zweckmäßige Ausrüstung zusammengestellt. Dazu erzähle ich euch gleich mehr.
Die Route
Wie bekannt ist die Route generell? Bin ich die Route selbst schon gegangen? Führt der Weg über Felsen? Wie steil ist der Weg? Wie sieht der Bergrettungsdienst im Notfall aus?
Wetterlage
Wie sieht der Wetterlagebericht für die folgenden Tage aus?
Jahreszeiten
Ist ein Aufstieg innerhalb oder außerhalb der Saison geplant?
Eigene Fitness
Wie schätze ich meine persönliche Körperkondition ein und wie wird diese von Experten beurteilt? War meine Vorbereitungsphase ausreichend? Wie lange habe ich für die Akklimatisierung gebraucht?
Notfall
Habe ich wirklich alle Risiken richtig abgeschätzt? Wie gehe ich mit unerwarteten Problemen um? Bin ich auf mich allein gestellt oder kann ich notfalls auf jemanden zurückgreifen?
Die Erfahrung zeigt, dass man niemals an der richtigen Ausrüstung sparen soll. Die Kunst ist, mit der richtigen Ausrüstung einen möglichst leichten Aufstieg zu haben, ohne auf lebenswichtige Dinge verzichten zu müssen.

Schneller Aufstieg, Geröll, Schutt und starker Wind
Für meinen Aufstieg zum Tochal Gipfel lauten die Antworten so:
Ich plane einen Schnellaufstieg auf ca. 4000 m. Die Route ist mir bekannt. Sie ist technisch nicht schwer, aber dafür mit einer 56%-igen Steigung an den meisten Hängen. Die Route beträgt etwa 10 km mit einer Höhendifferenz von 2600 Metern. Der Weg führt häufig über Geröll und Schutt.
Der Aufstieg ist innerhalb der Saison, zur Winterzeit ist wegen der Lawinengefahr von dieser Route abzuraten. Am Aufstiegstag ist durchgängig Sonne und ab 3200 Metern wird starker Wind vorausgesagt. Trotz angenehmer 26 Grad ist der Wind sehr kalt.
Der Körper fühlt sich gut an und hat sich innerhalb der ersten zwei Wochen gut akklimatisiert. Da mir die Route bis auf das kleinste Detail bekannt ist, habe ich für mich das Risiko als sehr gering eingeschätzt. Um aber trotzdem auf Nummer sicher zu gehen, habe ich meine Schulfreunde, die in der Gondelstation arbeiten, über meinen Plan des Aufstiegs informiert.
Nach der gedanklichen Vorbereitung geht es jetzt an die richtige Ausrüstung - davon und von meinem Weg auf den Gipfel werde ich euch im 2. Teil berichten. Also dranbleiben!
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