24 Stunden von Bayern - Wandern bis zum „Geht nicht mehr!“

Als mich Petra vor zwei Monaten ansprach, ob ich nicht Lust hätte, mit ihr zusammen an der Wanderung 24 Stunden von Bayern teilzunehmen, sagte ich spontan: „Ja klar!“ Langstreckenwandern ist mir, durch meine vielen Jakobswegkilometer der letzten 10 Jahre vertraut. Ich kenne meinen Körper und vor allem meine Füße und habe zum Glück so gut wie nie Blasen. Auch konditionell müsste ich nach meinen diesjährigen Wanderreisen bestens aufgestellt sein.

Auch Petra ist gut durchtrainiert. Sie fährt täglich mit dem Rad zur Arbeit von Viernheim nach Mannheim, hin und zurück sind das ca. 30 km! Und auch sie war im Frühjahr schon auf dem Malerweg bei Dresden per pedes unterwegs. So folgten wir beide gerne der Einladung der Firma Fjäll Räven, die auch einer der Sponsoren der Veranstaltung ist.

Früh am Morgen gings los
Voll motiviert, bestens ausgestattet und mit der nötigen Spannung auf das, was uns wohl erwarten würde, machten wir uns mit dem Zug auf nach Passau. Am Samstagmorgen um 8 Uhr fiel dann am Wandermarktplatz beim Museumsdorf Bayerischer Wald im Ilztal bei Tittling der Startschuss. In einem großen Pulk machten wir uns zusammen mit den anderen 442 Teilnehmern in zunächst gemächlichem Schritttempo auf die 39,4 km lange Tagesetappe.
Neben alten Wanderhasen, wie uns, waren auch eine ganze Menge junger Leute am Start. Sicher ist für sie der sportliche Aspekt in 24 Stunden mehr als 70 km Wanderstrecke zu bewältigen ein großer Anreiz, der sogar den Radfahrer Matthias dazu bewegte die Wanderstiefel zu schnüren und den Weg unter die Füße zu nehmen. Bald schon hatten wir uns mit ihm und seinen Begleitern angefreundet. Eigentlich ist nur Katharina eine begeisterte Wanderin und hat die Freunde mitgezogen, die sich nun ohne Vortraining auf dem Weg befanden.



Keine Langeweile dank tollem Rahmenprogramm

Nachdem sich der Wandererpulk etwas entzerrt hatte, fanden Petra und ich ganz schnell unseren Wanderrhythmus. Durch unsere ähnliche Körpergröße haben wir die gleiche Schrittlänge und somit auch die gleiche Geschwindigkeit. Das erste Wegstück führte zunächst sehr flach über Wirtschaftswege und Radwege über Tittling bis zur Ilz. Beim Marschieren kam trotzdem keine Langeweile auf, denn die Veranstalter hatten für ein unterhaltsames und informatives Rahmenprogramm gesorgt. Eine zünftige Brotzeit bei der ersten Rast, zwischendurch Häppchen mit ‚Krummbernkas’ und reichlich Obst, Süßes, Wasser und sonstige Getränke wurden an verschiedenen Stellen angeboten.


Das Wetter zeigte sich auch von der besten Seite und einige Wanderer kühlten sich in der Ilz die heißen Füße. Uns war es aber dann doch zu riskant, die Füße durch ein Bad aufzuweichen und so Blasen zu riskieren. Die Mittagspause kam uns um 12 Uhr viel zu früh und so erfrischten wir uns mit kühlen Getränken, aßen einen knackigen Apfel und ließen Schupfnudeln und Kraut links liegen. Noch mehr als die Hälfte der Tagesetappe lag ja noch vor uns und eine zu lange Pause, vielleicht noch mit einem Bier, hätte uns doch zu sehr ermüdet. Zudem meldete sich langsam mein rechtes Knie mit einem wiederkehrenden, stechenden Schmerz zu Wort. Die Wanderstöcke hatte ich dummerweise im Zimmer liegen lassen.



Die Sommerhitze machte uns zu schaffen

Die nächsten Stunden wurden von heißer Sonne auf Asphaltstraßen, oft ohne Schatten, über offenes Feld bestimmt. Sonnencremes machten die Runde und so oft es ging, zogen die Wanderer kleinere Abkürzungen über abgemähte Wiesen den geteerten Wirtschaftswegen vor. Petra und ich wurden immer stiller und erhöhten sogar noch unser Wandertempo, um der Hitze möglichst bald zu entkommen. Die weite Aussicht über die Hügellandschaft entlohnte für die Strapazen. Wir ließen unsere Blicke weit ins Land zu den drei Burgen schweifen, die während der Nachtetappe angelaufen werden sollten. Uns wurde das ganze Ausmaß der 70 km Wanderstrecke bewusst und meinem Knie wohl auch. Inzwischen hatte sich ein verkrampfter Oberschenkelmuskel am selben Bein dazu gesellt und lenkte zeitweise vom Hauptschmerz im Knie ab, was die nun verstärkt auftretenden An- und Abstiege nicht leichter machte.


Weiter ging es bei der Milchkönigin vorbei (hier gab es kalte Milchgetränke) über die Bienen (mit Honigkostprobe) zu den Säumern, die uns mit ihren Pferden ein Stück des Weges begleiteten. Petra war platt von der Hitze und wir beide waren froh, bei Kilometer 30,8 in Ellersdorf einen kühlenden Brunnen und Kaffee und Kuchen vorzufinden. Im Schatten ließen wir unsere müden Füße ausruhen, trockneten die Schuhe und Strümpfe in der Sonne, stärkten uns an den leckeren Köstlichkeiten und weckten die schwindenden Kräfte mit einem kräftigen Kaffee.



Die letzten Meter

Die letzten 9 km führten zunächst noch über freies Feld und dann zum Glück wieder auf Waldwegen zurück Richtung Museumsdorf. Statt einer zusätzlichen Runde über die Fitnesstrecke gönnten wir uns auf zwei einsamen Liegen im Wald ein 5-Minuten-Päuschen und lauschten dem Rauschen des Flusses. Die letzten Kräfte waren mobilisiert, um die Tagesetappe zu Ende zu bringen und selbst die netten Steinmetze konnten uns nicht mehr animieren, einen Stein zu bearbeiten. Ich konnte einfach nicht mehr stehen, gehen ging gerade noch.
Gegen 19 Uhr erreichten wir den Wandermarktplatz und stürzten uns hungrig auf das Abendessen und ein alkoholfreies Bier. Das Schwitzen hatte uns viele Mineralien geraubt und die Verkrampfung in meinem Bein war so massiv geworden, dass ich noch gar nicht an die Nachtstrecke denken wollte. Petra war zwar müde, aber noch voll einsatzfähig. Mal sehen, wie es mir nach einer Dusche und einem 30 Minutenschlaf gehen würde.


Im nächsten Teil unseres Berichts erfahrt ihr alles über den zweiten Teil unseres Wandermarathons, bei dem uns neben der einbrechenden Nacht ein Sommergewitter erwarten sollte!
Bilder: engelhorn sports

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